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Erfolgsgeschichte RB Leipzig: Auch weiterhin voll auf Kurs

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Der 19. Mai 2009 war ein ganz besonderer Tag. Dieses Datum ist das Gründungsdatum von RB Leipzig. Der Verein blickt gerade einmal auf zehn Jahre Vereinshistorie, doch was in diesen Jahren geleistet wurde, das vollbringt so manch anderer nicht in der fünffachen Zeit: Mehrmalige Aufstiege, zuletzt 2015/2016 in die Fußball-Bundesliga, einmal das DFB-Pokalfinale erreicht, Teilnahme an der Europa- und der Champions League. Trotz der jungen Geschichte hat sich der Verein fest im oberen Bundesligadrittel etabliert und zeigt sich nachhaltig erfolgreich. Aber wie gelang dieser Erfolg und was macht ihn aus? Wie könnte die Zukunft der »Bullen« aussehen?

Die Geschichte RB Leipzigs – alles beginnt mit einem Namen

Oder auch nicht. Der Ursprung RB Leipzigs ist in Österreich zu finden. Das Unternehmen Red Bull, welches sich seit Jahren in vielen Sportarten und Aktivitäten engagiert (der markanteste Auftritt war sicherlich Felix Baumgartners Fallschirmsprung), förderte bereits in Salzburg einen Fußballclub: SV Austria Salzburg, jetzt Red Bull Salzburg. Da die Förderung in Österreich hervorragend funktionierte, wollte Red Bull das Engagement im Jahr 2006 auf Deutschland ausweiten. Was viele nicht wissen, ist, dass Leipziger Vereine nicht die ersten waren, wo Red Bull anfragte:

  • Anfrage - es erfolgte eine Kontaktaufnahme durch Red Bull bei drei Fußballvereinen: TSV 1860 München, Fortuna Düsseldorf und St. Pauli.
  • Forderung - Red Bull forderte eine Mehrheit von 50 + 1 Prozent der Vereinsanteile und Änderungen am Wappen, Namen und der Vereinsfarben.

In Leipzig beginnt die Erfolgsgeschichte

Die drei Vereine lehnten die Forderungen ab, sodass sich das Unternehmen an Leipziger Vereine wandte. Zuerst war eine Förderung vom FC Sachsen Leipzig angedacht, doch verweigerte der DFB die Zustimmung, da er eine zu große Einflussnahme durch den Investor befürchtete. Erst nun begann das tatsächliche Kapitel von RB Leipzig:

  • Vorteil - unterhalb der Regionalliga unterliegen Vereine nicht mehr der Lizenzierung durch den DFB.
  • Gründung - am 19. Mai wurde der Verein RB Leipzig als eigenständiger Verein gegründet.
  • Ziel - es sollten die ersten drei Männermannschaften und das Seniorenteam mitsamt dem Startrecht vom SSV Markranstädt für die Oberliga übernommen werden. Die erste Männermannschaft ging vollständig in den RB Leipzig über. Der sächsische Fußballverband hingegen drängte dazu, auch die jeweiligen ersten Mannschaften der vier ältesten Jugendabteilungen vom FC Sachsen Leipzig zu übernehmen, der insolvent war.

Ab diesem Punkt war die Erfolgsgeschichte geboren. Da der DFB wiederum keine Vereinsnamen erlaubt, die Werbeinhalte präsentieren, wurde der Verein in RasenBallsport Leipzig umbenannt.

Kritiker von RB Leipzig bemängeln meist lautstark die Involvierung von Red Bull als starker Investor, doch darf nicht vergessen werden, dass allein die Übernahme der Jugend- und Herrenteams vom FC Sachsen Leipzig und dem SSV Markranstädt auf der Amateursportebene unglaubliche Möglichkeiten für eben diese Amateure gebracht hat. Ohne die Übernahme wären die Jugendlichen des FC durch die Vereinsinsolvenz ohne einen Ansprechpartner gewesen.

RB Leipzig – noch keine Titel


Faktisch betrachtet kann sich RB Leipzig weder einen Pokal noch eine Meisterschale in das Vereinsgebäude stellen. Doch oftmals wiegen andere Leistungen schwerer als sämtliche Titel, denn ohne diese würde Leipzig heute weder national noch international auf den großen Bühnen stehen:

●    Oberliga

Durch die Übertragung des Spielrechts konnte Leipzig in der Saison 2009/2010 in einer der Staffeln der Oberliga Nordost spielen. Zugleich durften die zweiten Mannschaften in unterklassigen Ligen antreten. Gleich im ersten Jahr stieg das Team in die Regionalliga Nord auf.  

•    Regionalliga

In den ersten beiden Spielzeiten erreichten die Leipziger in der Regionalliga die Plätze vier und drei. Zur Saison 2012/2013 wurden die Regionalligen neu geordnet, sodass RB Leipzig in die Regionalliga Nordost eingeteilt wurde. Dabei gelang der ersehnte Aufstieg.

●    Dritte Liga

Es war ein kurzer Aufenthalt in dieser Liga. Nach nur einem Jahr und dem Erreichen von Platz 2 gelang der Aufstieg.

●    Zweite Bundesliga

Dieses Intermezzo hielt zwei Spielzeiten an. In der ersten Saison schaffte es der Club auf Rang fünf und zog zudem ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. Im zweiten Jahr gelang der Aufstieg als Vizemeister.

●    Bundesliga

Seitdem ist Leipzig fest verankert in der Bundesliga und machte gleich im ersten Jahr deutlich, dass hier Großes entstehen soll. Als Vizemeister direkt hinter Bayern München beendete Leipzig die Saison - und erreichte natürlich die Teilnahme an der Champions League. In der zweiten Saison reichte es »nur« für Platz 6 und die Teilnahme in der Europa League, in der letzten Saison schloss Leipzig als Tabellendritter und dem Ticket in die Champions League ab. In der Saison 2019/2020 sieht es bisher zudem so aus, als könnte die Zeit für einen Titel tatsächlich reif sein. Star Coach Julian Nagelsmann hat sich schneller in Leipzig zurechtgefunden als Viele erwartet haben. Es stimmt zwischen Mannschaft und Coach. RB grüßt in der Liga von ganz oben und überwintert national als auch international weiterhin in den jeweiligen Wettbewerben. Diese Saison scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein für das offensivstarke Team aus Sachsen um Topstürmer Timo Werner.

International hat sich RB Leipzig im Herbst 2019 erstmals für das Achtelfinale in der Champions-League qualifiziert. Das Team belegte Platz eins in der Gruppe mit Olympique Lyon, Benfica Lissabon und Zenit St. Petersburg. International misst sich RB häufig mit Clubs bei denen der so häufig geäußerte Vorwurf des geldwerten Vorteils nicht greift: Real Madrid, Benfica Lissabon, Paris St. Germain, Manchester City – auf diesem Parkett ist Leipzig nach wie vor ein Club unter vielen.

RB Leipzig und die Bundesliga: Ein schneller Wandel?

Die Entwicklung bei RB Leipzig hat in den letzten Jahren schwindelerregende Geschwindigkeit angenommen. Doch auch die Bundesliga selbst unterliegt einem Wandel, für den vor allem eine Neuerung steht: Der Videobeweis, der als der Höhepunkt der Entwicklung technischer Hilfsmittel in der Bundesliga angesehen werden darf. Nach der Torlinientechnik soll auch der Videobeweis das Spiel fairer und unabhängiger von Fehlentscheidungen machen – doch  ist das auch immer so?

Die Leipziger Fans sind zumindest skeptisch: In der Saison 2017/2018 war Leipzig tatsächlich der große Verlierer beim Einsatz des Videoassistenten. Bis zum März der Saison wurden sechs Mal Entscheidungen nachträglich fehlerhaft revidiert.

Doch gerade in den letzten Jahren gab es noch viele weitere Regeländerungen, die das Spiel verändern:

  • Handspielregelungen wurden verschärft (seit Saison 2019/2020)
  • Torhüter haben mehr Freiheiten bei Elfmetern (seit Saison 2019/2020)
  • Gegnerische Spieler müssen Abstand von einer Mauer beim Freistoß haben (seit Saison 2019/2020)
  • Die Kadergröße in der 1. und 2. Bundesliga steigt von 18 auf 20 Spieler

Die Zukunft in Leipzig

Wie jeder ambitionierte Verein möchte auch RB Leipzig künftig nicht nur oben angreifen, sondern sich die Titel sichern. Doch während dies auf der großen Bühne unter aller Augen stattfindet, arbeitet der Verein an einer Verbesserung des eigenen Leistungszentrums. Wie wichtig das ist, zeigt mitunter die niederländische Konkurrenz: Das Ausbildungszentrum von Ajax Amsterdam bringt in alle Richtungen Perlen hervor, ohne aber die Bildung zu vernachlässigen.

  • Neue Leitung - mit Christian Streit und Sebastian Kegel sind zwei neue Leiter »Nachwuchs Sport« und »Leiter Akademie und Organisation Nachwuchs« in den Verein gekommen.
  • Planung - es klingt ein wenig nach den »Jungen Wilden« aus Amsterdam, doch ist das eine Notwendigkeit. Die Jungspieler sollen mutig ausgebildet werden, abenteuerlustig und aktiv. Die Talente sollen nicht länger, wie es beim DFB laut Kritikern geschieht, in feste Positionen und Rollen geformt werden, sondern durch Mut, Fleiß und Ideen auf dem Platz überzeugen. Zugleich soll die Persönlichkeit des Spielers geformt werden.
  • Kooperation – in gewisser Weise kann RB Leipzig Talenten und jüngeren Spielern etwas bieten, was andere Clubs allenfalls über Leihen schaffen können: Weiterentwicklung. Dank der Schwestervereine in Salzburg und New York ist es nicht nur möglich, Talenten die Erfahrung eines Auslandsaustausches zu bieten, welcher natürlich auch in der schulischen Bildung sinnvoll ist, sondern sie auf dem Platz fördernd auszubilden. Ein Spieler, der eventuell noch nicht für das Profiteam in Deutschland geschaffen ist, könnte mitunter in Salzburg die letzten notwendigen Feinheiten lernen, um sich auch hierzulande durchzusetzen.

Was sonst ansteht, ist in der Red Bull Arena seit September bestens zu sehen. Das Stadion, welches 2004 eröffnet und erstmals groß zur WM 2006 genutzt wurde, wird gerade ausgebaut. Ein Wall wird durchbrochen, es kommen vier Fußgängerbrücken zu den Oberrängen hinzu und wird um rund 5.000 Plätze erweitert. Die Stehplatz-Tribüne mit 11.200 Plätzen soll ab dem kommenden Sommer komplett nutzbar sein. Die Red Bull Arena ist damit auch einer von zehn Spielorten bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland.

Mit der Vergrößerung des Stadions orientiert sich der Verein deutlich in Richtung Spitze, wenngleich es für internationale Verhältnisse ein kleines Stadion bleibt.

Fazit – da wird noch was kommen

Es darf so gesagt werden: Den Bullen sind beim fußballerischen Höhenflug keine Grenzen gesetzt. Obgleich die Vereinsgeschichte kurz ist, hat RasenBallsport Leipzig schon mehr geschafft, als ein guter Teil anderer Vereine in einer wesentlich längeren Zeitspanne. Gerade das Nachwuchsleistungszentrum und die Konzentration auf die Förderung junger Talente ist ein extrem positives Merkmal, denn diese Spieler beweisen oft Charakterzüge, die sonst auch keine Millionenablösen mit ins Vereinstrikot bringen: Loyalität und der Wille, es beim eigenen Jugendclub einmal ganz nach oben zu schaffen.