- Punkt 18 Uhr schloss sich die Menschenkette. In der gesamten Stadt hielten die Menschen zusammen - wie hier zu sehen vor der Altstadtkulisse.
Symbol für den Frieden: 13.000 bei Menschenkette in Dresden
79 Jahre nach der Zerstörung Dresdens durch Luftangriffe der Alliierten hat die Stadt ein Zeichen für Versöhnung und Frieden in die Welt gesendet. Rund 13.000 Bürger reichten sich um 18.00 Uhr die Hände zu einer Menschenkette, durch das historische Zentrum und über die Elbe hinweg.
Zum Geläut der Innenstadtkirchen standen sie für einige Minuten zusammen und gedachten der Opfer vom 13. Februar 1945 in Dresden, aber auch der Opfer deutscher Bomben 1940 in Dresdens englischer Partnerschaft Coventry. Auch an die Millionen Toten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde mit der Menschenkette erinnert, die an diesem Gedenktag seit über einem Jahrzehnt Tradition hat.
In die Menschenkette reihten sich unter anderem auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und die Botschafterin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland Jill Gallard ein.
Lautstarken Protest gab es gegen Versammlungen der AfD und eine Kundgebung von Rechtsextremisten auf dem Altmarkt. Gegendemonstranten blockierten den Zugang, die Polizei hatte Mühe, beide Lager voneinander zu trennen. Es gab Rangeleien, Augenzeugen zufolge wurde Pfefferspray eingesetzt.
Unmittelbar nach der Menschenkette begann um 18.15 Uhr gegenüber der Synagoge der "Dresdner Gedenkweg - unterwegs zur Versöhnung". Die Veranstaltung der Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche Dresden e. V. griff den Leitgedanken der Menschenkette auf und vermittelte Zusammenhänge, über die es sich nachzudenken lohnt.
Ab 22 Uhr öffnete die Frauenkirche zur "Nacht der Stimmen".
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Geschmacklose Störaktion
Neben dem friedlichen Gedenken gab es jedoch auch Störaktionen. So machte die Partei "Die Partei" mit einem geschmacklosen Plakat "Wer billig bombt, bombt zweimal" und selbstgebastelten Fliegern vor der Semperoper auf sich aufmerksam.
Unser Reporter vor Ort berichtete, dass sich bis zu 30 Personen am Abend auf dem Theaterplatz an der Semperoper aus der Menschenkette herauslösten. Sie wollten damit das Gedenken in der jetzigen Form kritisieren. Es würde in ihren Augen vor allem den "Opfermythos" von Dresden bestärken.
Zugleich gibt es am Abend lautstarken Protest gegen Versammlungen von AfD und Rechtsextremisten auf dem Altmarkt. Die Polizei ist vor Ort im Einsatz. Sie will allen die Versammlungsfreiheit gewährleisten, die friedlich und gewaltfrei zusammenkommen, und setzt wie in Vorjahren auf Kommunikation und Deeskalation.
Leicht sei das jedoch laut Reporterangaben nicht: auf dem Altmarkt drohte sich die Lage zuzuspitzen. Hier musste auch Pfefferspray eingesetzt werden, als rechte Gruppierungen auf Gegendemonstranten trafen.
Die Dresdner Beamten werden bei ihrem Einsatz von Kollegen aus anderen Ländern sowie von der Bundespolizei unterstützt.
OB Hilbert: Erinnerung darf nicht umgedeutet werden
In Erinnerung an das Geschehen vor 79 Jahren legten Vertreter der Stadt und des Freistaates am Dienstag an letzten Ruhestätten der Opfer Blumen und Kränze nieder. Auf dem Heidefriedhof, der letzten Ruhestätte der meisten Toten der Luftangriffe, säumten zahlreiche weiße Rosen die Denk- und Mahnmale.
Auch an der wiederaufgebauten Frauenkirche lagen weiße Rosen neben flackernden Grablichtern. Das Gotteshaus gilt als Mahnmal der Angriffe und wurde auch mit Spenden von den einstigen Alliierten nach 1990 originalgetreu wiedererrichtet. Dort wurde die übliche "Nacht der Stille" diesmal zur "Nacht der Stimmen" für die Demokratie
Rund 200 Menschen folgten am Nachmittag der Einladung der Dresdner Philharmonie zum Bürgersingen "gegen Hass, Gewalt und für Frieden und Versöhnung".
"Rassismus und menschenverachtende Weltbilder nehmen in unserer Gesellschaft zu. Antisemitismus wird wieder offen zur Schau gestellt. Auch in unserer Stadt werden Häuser in Brand gesteckt, um zu verhindern, dass dort Menschen einziehen, die ein Recht auf ein gerechtes Asylverfahren haben", sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bei einer Veranstaltung vor dem Rathaus. Er verurteilte gewalttätige Übergriffe und Rassismus im täglichen Leben.
Hilbert erinnerte daran, dass die Zeitzeugen der Luftangriffe auf Dresden und die Spuren der Zerstörung immer mehr weniger würden. "Wir stehen hier, weil die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft und die Opfer des Krieges untrennbar mit der Geschichte unserer Stadt verbunden ist. Die Menschenkette schließt sich um die Innenstadt von Dresden, damit diese Erinnerung nicht instrumentalisiert und von alten wie neuen Nationalisten umgedeutet wird. Wir stehen hier, weil es immer mehr politische Extremisten in unserem Land gibt, die unsere demokratische Verfassung infrage stellen."
Weitere Redner waren die Botschafterin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland, Jill Gallard, sowie die Rektorin der TU Dresden, Ursula Staudinger.
Rund um das Gedenken am 13. Februar gibt es auch 2024 ein vielfältiges Begleitprogramm der Dresdner Kirchen, Kultureinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Initiativen, Gedenkstätten, Vereine und Verbände. Das Angebot umfasst Lesungen und Diskussionen, Vortrags- und Filmabende, Kunstaktionen im öffentlichen Raum, Gedenkveranstaltungen auf Friedhöfen, Konzerte, Ausstellungen und die Gelegenheit zum stillen Innehalten.
Das gesamte Programm ist abrufbar unter www.13februar.dresden.de.
Die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg
Knapp drei Monate vor Ende des Zweiten Weltkrieges legten am 13. Februar 1945 und in den Tagen darauf britische und amerikanische Bomber Dresden in Schutt und Asche. Damals lebten etwa 630.000 Einwohner in der Stadt. Die Zahl der Opfer konnte nie genau ermittelt werden. Nach Erkenntnissen einer von der Stadt beauftragten Expertenkommission kamen bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Eine Fläche von zwölf Quadratkilometern wurde vollständig zerstört. Bis zu diesem Bombardement war Dresden trotz vorheriger Luftangriffe von Zerstörungen weitgehend verschont geblieben.
Der Angriff am 13. Februar 1945, einem Faschingsdienstag, begann kurz vor 22.00 Uhr. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums (DHM) warfen 773 britische Bomber in zwei Angriffswellen zunächst große Mengen an Sprengbomben ab. Durch die Zerstörung der Dächer und Fenster konnten die darauffolgenden etwa 650.000 Brandbomben eine größere Wirkung entfalten. Der Feuersturm zerstörte etwa 80.000 Wohnungen in der Stadt. Dem britischen Nachtangriff folgte am 14. Februar eine Flächenbombardierung durch 311 amerikanische Bomber. Auch am folgenden Tag kam es zu einem Luftangriff der Amerikaner.
Dresden war nicht nur eine Hochburg der Nazis, sondern auch wichtiger Verkehrsknotenpunkt und Standort von Rüstungswerken. Militärische Ziele waren mit dem Angriff aber kaum verbunden. Eine wirksame Luftabwehr der Deutschen gab es hier nicht. „Die Zerstörung Dresdens war der Höhepunkt gezielter Flächenbombardements der Alliierten gegen die deutsche Zivilbevölkerung, um deren Moral zu brechen. Der NS-Propaganda bot die Bombardierung von Dresden noch einmal Gelegenheit, an den Durchhaltewillen der Deutschen zu appellieren“, heißt es in einer Dokumentation des DHM. (dpa)















