Angeklagte im Görlitzer Mordprozess bricht ihr Schweigen
Überraschung im Görlitzer Mordprozess: Die Angeklagte hat ihr Schweigen gebrochen. Ihr Verteidiger verlas am Vormittag eine Erklärung der 24-Jährigen. Sie gab zu, den später ermordeten Nieskyer in ihre Wohnung in Görlitz-Weinhübel gelockt zu haben. Seinen Tod habe sie aber nicht gewollt. Es sei ihr nur um ihren Sohn gegangen. Das Kind, für das der leibliche Vater das Sorgerecht erhalten hatte, wollten die Beiden entführen und sich dann nach Tschechien absetzen.
„Wir wollten sein Auto und sein Geld“, ließ die Angeklagte erklären. Während ihr Freund im Schlafzimmer wartete, träufelte sie dem arglosen Nieskyer KO-Tropfen in den Energy-Drink. Er sollte betäubt werden. Das aber gelang nicht: Ihm schmeckte der Drink nicht, er ließ ihn stehen. Daraufhin sei ihr Freund ins Wohnzimmer gekommen, habe ihm vermutlich Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, an einen Stuhl gefesselt und die EC-Karte weggenommen. Das wehrlose Opfer gab seine Pinnummer preis. Dann verließ die Angeklagte die Wohnung, um Geld von seinem Konto abzuheben. Aber das Konto war leer. Als sie zurückkam und ohne Geld vor ihrem Freund stand, soll er daraufhin mit einem Kochtopf auf das gefesselte Opfer eingeschlagen haben. Sie sei in die Küche und habe sich die Ohren zugehalten. „Ich sah Blut auf dem Fußboden und dachte, er ist tot. Es ging alles so schnell“, so die Görlitzerin.
Nach der Tat ließen die Beiden das Opfer in der Wohnung zurück. Sie übernachteten zunächst in einem Hotel in Görlitz, fuhren dann mit dem Auto des Opfers nach Radeberg und von dort – mit einem gestohlenen Fahrzeug – weiter nach Dresden, wo sie im Hilton-Hotel abstiegen. Anschließend kehrten sie nach Görlitz zurück, ließen sich nach Seifhennersdorf chauffieren, verbrachten zwei Nächte bei Bekannten. Dort ließen sie Zeugenaussagen zufolge durchblicken, dass sie jemanden umgebracht haben. Dann wechselten sie in eine Wohnung in Weigsdorf-Köblitz bei Bautzen. Wenige Tage später wollten sie den Sohn der Angeklagten und den Kindesvater entführen. Mit der Festnahme wurde ihr Plan aber durchkreuzt.
Der Angeklagte hatte schon am dritten Verhandlungstag sein Schweigen gebrochen. Er sei für alles verantwortlich, habe die Tat aber nicht allein geplant, erklärte der Verteidiger des 34-jährigen Görlitzers. Ursprünglich sei es um das Geld und das Auto gegangen. Er habe sich in den Fall verwickeln lassen. Als Auslöser gab der Angeklagte an, dass seiner damaligen Partnerin das Sorgerecht für den Sohn entzogen wurden war.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Beiden Mord aus Heimtücke und Habgier vor. Das Urteil wird Ende dieses Monats erwartet.