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Angeklagter im Görlitzer Mordprozess bricht Schweigen

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Der Angeklagte im Görlitzer Mordpro­zess hat sein Schweigen gebro­chen. Er gestand die Tat. Sein Vertei­diger Ulf Israel gab heute eine ausführ­liche Erklä­rung ab. Dabei relati­vierte er die Tatbe­tei­li­gung. "„Ich bin für alles verant­wort­lich, habe die Tat aber nicht allein geplant. Ursprüng­lich wollten wir das Geld und das Auto“, ließ der 34-Jährige erklären.Der Angeklagte habe sich in den Fall verwi­ckeln lassen, so Vertei­diger Ulf Israel.

Der 34-jährige Görlitzer und seine 24 Jahre alte Freundin sollen einen 24 -jährigen Nieskyer bewusstlos geschlagen und erstickt haben. Die Staats­an­walt­schaft wirft ihnen Mord aus Habgier und Heimtücke vor.  Die Angeklagte hüllt sich dagegen weiter in Schweigen.   

Laut den Ermitt­lungen hatte das mutma­ß­liche Mörder­paar vor, sich mit dem Auto des Opfers nach Tsche­chien abzusetzen. Zuvor sollte der Sohn der Angeklagten, der beim sorge­be­rech­tigten Vater lebt, entführt werden. 

Als Auslöser gab der Angeklagte an, dass seiner damaligen Freundin das Sorge­recht für den Sohn entzogen worden sei. „Wir steigerten uns immer mehr in die Idee hinein, das Kind zu entführen und nach Tsche­chien abzuhauen. Um Tötung ging es zuerst nicht“, ließ der Angeklagte erklären. Dazu kam fast tägli­cher Crystal-Konsum.

Zu den zwölf Zeugen, die heute ausge­sagt haben, gehörten  Angehö­rige des Opfers, so sein Vater, die Freundin und ein Kumpel. Sie beschrieben den ermor­deten Nieskyer  als hilfs­be­reit und ruhig. Diese Eigen­schaften wurden ihm zum Verhängnis. Die angeklagte Frau kannte er von früher. Ein paar Mal hatte er ihr  Geld geliehen und sie hin- und herge­fahren. Gegen­über seiner Freundin soll er erwähnt haben, dass er sich ausge­nutzt fühle.  

Mit Kurznach­richten und Anrufen soll die Angeklagte den 24-Jährigen  in ihre Wohnung gelockt haben. Eine Stunde soll sie auf ihn einge­redet haben, erst dann kam ihr mutma­ß­li­cher Mittäter seinen eigenen Worten zufolge dazu. Ohne sich zu wehren, setzte sich der junge Mann laut der Aussage auf einen Stuhl, ließ sich fesseln und gab sogar die Geheim­zahl für seine Geldkarte heraus. Doch das Konto sei leer gewesen.

„Das brachte uns zur Verzweif­lung. Ich wusste, wir können ihn nicht laufen lassen, weil er uns sonst verrät“, heißt es im Geständnis. Daraufhin sollen die Angeklagten dem wehrlosen Nieskyer eine Tüte über den Kopf gezogen und ihn mit einem Topf bewusstlos geschlagen haben. Das Opfer erstickte.

Acht Tage nach der Tat wurde der Leichnam  - gefes­selt auf einem Stuhl in der Wohnung der Angeklagten in Görlitz-Weinhübel - gefunden. Der Vater des Opfers hatte mit einer Vermiss­ten­an­zeige eine Suchak­tion ausge­löst. Das Auto seines Sohnes wird auf einem Parkplatz in Radeberg sicher gestellt.

Mit der Festnahme des Paares in einem Unter­schlupf in Weigs­dorf-Köblitz bei Bautzen kamen die Ermittler der geplanten Entfüh­rung des Sohnes der Angeklagten zuvor. 

Ein Urteil wird voraus­sicht­lich erst im Oktober fallen.

Audio:

Vertei­diger Ulf Israel im Gespräch mit unserem Sender