- Hinter dieser unscheinbaren Tür verbergen sich Überbleibsel aus einer Zeit, in der Folter noch eingesetzt wurde.
- Ein Strohsack, Handschellen in der Wand und einen engen Raum - das waren die Zellen der damaligen Untersuchungshaft in Leipzig.
Angst und Schrecken unter dem alten Rathaus
Wer über den Leipziger Markt schlendert, ahnt kaum, was sich unter dem Alten Rathaus verbirgt. An der Rückseite des historischen Gebäudes führt eine unscheinbare Tür hinab in eine andere Zeit – in den ehemaligen Verlieskeller, wo einst Beschuldigte auf ihren Prozess warteten und heute eine der schaurigsten Ausstellungen der Stadt zu sehen ist.
Vom Verlies zum Museum
Die Gewölbe unter dem Alten Rathaus dienten früher vor allem als Gefängnis für die Untersuchungshaft. Beschuldigte wurden hier eingesperrt, bis über ihre Fälle entschieden wurde. Erst später wurden Gefängnisse aus dem Rathaus ausgelagert, weil die Räumlichkeiten den Anforderungen nicht mehr entsprachen.
Zwischen den historischen Mauern können Besucher heute Zellen und zahlreiche Informationen über das damalige Justizwesen entdecken. Die Ausstellung zeigt, wie Recht gesprochen wurde und welchen Stellenwert Strafen im Alltag der Stadt hatten.
Wo befand sich die eigentliche Folterkammer?
Der Name „Folterkammer“ lässt vermuten, dass genau dort einst Menschen gefoltert wurden. Nach heutigem Forschungsstand war das vermutlich jedoch nicht der Fall. Historiker gehen davon aus, dass sich die eigentliche Folterkammer eher unter dem Bereich der heutigen Gastronomie befand. Dort wurden entsprechende archäologische Hinweise gefunden, während sich für die heute zugänglichen Kellerräume keine eindeutigen Nachweise einer Folterkammer belegen lassen.
Dennoch sind im Verlieskeller originale Folter- und Strafinstrumente aus verschiedenen Jahrhunderten ausgestellt. Sie vermitteln einen eindrucksvollen Eindruck davon, welche Methoden damals angewendet wurden und wie sich Strafen im Laufe der Zeit entwickelt haben.
Rechtsprechung mit großem Ermessensspielraum
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der damaligen Rechtsprechung. Grundlage vieler Urteile war der Sachsenspiegel, eines der bedeutendsten Rechtsbücher des Mittelalters. Obwohl darin zahlreiche Regeln festgehalten wurden, blieb Richtern oft ein großer Ermessensspielraum.
Ziel der Strafen war häufig nicht allein die Bestrafung eines Täters. Vielmehr sollten Verurteilte öffentlich bloßgestellt und zur Abschreckung anderer an den Pranger gestellt werden. Die öffentliche Demütigung spielte im damaligen Strafsystem eine deutlich größere Rolle als lange Haftstrafen.
Ein Blick in Leipzigs dunkle Vergangenheit
Der ehemalige Verlieskeller ist heute Teil des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig und kann im besichtigt werden. Zusätzlich werden regelmäßig Führungen angeboten, die die Geschichte des Ortes noch anschaulicher vermitteln.
Besonders während des Wave-Gotik-Treffens gehören die Rundgänge zu den gefragtesten Programmpunkten. Doch auch über das Festival hinaus zieht die schaurige Atmosphäre des historischen Kellers das ganze Jahr über zahlreiche Besucher an.
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Gefördert durch die Sächsische Landesmedienanstalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.



