Aussprache nach Krawallen im Leipziger Süden
Aussprache heißt es am Dienstag im Rathaus. Der Grund: Nach den linksautonomen Krawallen am Samstag hier in der Stadt schieben sich alle Verantwortlichen gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Nun kommen Verfassungsschützer Meyer- Plath, Polizeipräsident Merbitz und Stadtoberhaupt Jung im Rathaus zusammen. Das bestätigte Innenminster Markus Ulbig unserem Sender. Allerdings machen gegenseitige Schuldzuweisungen jetzt keinen Sinn. Bei den linken Krawallen anlässlich eines Rechten-Aufmarsches im Leipziger Süden wurden am Samstag nach Polizeiangaben 69 Beamte verletzt. Es entstand ein Sachschaden von über 100 000 Euro. Die genaue Schadenssumme könne noch nicht genannt werden, da noch nicht alles erfasst wurde, sagte Stadtoberhaupt Burkhardt Jung. Jung könne sich nicht vorstellen, noch einmal eine solche Demonstration in diesem Gebiet zuzulassen. Zudem sei die Lageeinschätzung des Verfassungsschutzes vorab unzureichend gewesen. Das, was die Behörde geliefert habe, könne jeder in fünf Minuten im Netz recherchieren. „Das kann’s nicht sein“, kritisierte Jung. Polizeigewerkschaft wirft Versammlungsbehörde Versagen vorDie Polizeigewerkschaft Sachsen hat der Versammlungsbehörde im Zusammenhang mit den Krawallen in Leipzig Versagen vorgeworfen. Es sei absehbar gewesen, was am Samstag passieren würde, sagte die Vorsitzende Cathleen Martin. Linksautonome hätten bundesweit offen für Leipzig mobilisiert. Die Polizisten seien zum Ziel deutschlandweit angereister Störer geworden. Die Versammlungsbehörde, also die Stadt Leipzig, habe nicht angemessen reagiert. Die Demos, links wie rechts, hätten aus Sicht von Martin verlegt werden müssen. Die Gewerkschaftschefin beklagte zudem eine schlechte Ausrüstung der Polizei. Helme und Schilde seien völlig veraltet, es gebe längst bessere und modernere Schutzkleidung.Stadt weist Kritik zurückDie Stadt Leipzig hat unterdessen jegliche Kritik zurückgewiesen. "Wir haben zusammen mit der Polizei die Lage analysiert und dann entschieden", sagte ein Sprecher der Stadt am Montag. Die Demo der Neonazis sei mit strengen Auflagen genehmigt worden. Aber bei 1000 gewaltbereiten Gegendemonstranten würden Auflagen nicht greifen. Es sei Sache der Polizei, Gewaltexzesse zu vermeiden. Offensichtlich seien zu wenige Beamte vor Ort gewesen. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) waren etwa 1500 Beamte im Einsatz. "Die Krawalle waren absehbar, es hätte die doppelte Zahl sein müssen", sagte der Landesvorsitzende Hagen Husgen. Er beklagte zudem eine offensichtlich schlechte Vorbereitung der Polizei auf den Einsatz. Die Stadt denkt den Angaben zufolge über Konsequenzen nach. Es seien Dinge passiert, die bewertet werden müssten. Es sei jedoch rechtlich außerordentlich schwierig, Versammlungen zu verbieten, sagte der Stadtsprecher. Oberbürgermeister kritisiert VerfassungsschutzOberbürgermeister Burkhard Jung hat nach den Ausschreitungen von Linksextremen den Verfassungsschutz kritisiert. Er zeigte keinerlei Verständnis, dass die Behörde so wenig weiß. Das, was sich hier im Untergrund organisiert, systemfeindlich und kriminell gewalttätig agiert, müsse durch den Staatsschutz beobachtet werden - man brauche da Erkenntnisse, so Jung. Außerdem forderte er, dass mit aller Härte gegen die Kriminellen vorgegangen wird. Zudem verlangte er, dass mehr Polizisten eingestellt werden. Aufräumarbeiten laufenUnterdessen laufen die Aufräumarbeiten im Süden von Leipzig. Zahlreiche Schaufensterscheiben gingen bei den Randalen zu Brauch, auch eine Bushaltestelle wurde demoliert. An mehreren Stellen – unter anderem auf der Karl-Liebknecht-Straße – brannten Mülltonnen. Glascontainer wurden umgeworfen. Der Schaden geht ersten Schätzungen zufolge in die Hunderttausende.Politiker verurteilen GewaltexzesseAuch viele andere Politiker verurteilen die Gewaltexzesse aufs Schärfste. Innenminister Markus Ulbig kritisierte vor allem, dass die Kriminellen schwere Verletzungen von unbeteiligten Familien mit Kindern in Kauf genommen hätten. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe bezeichnete die Krawalle als „abscheulich, sinnlos und bescheuert!“. Der CDU-Kreisvorsitzende Robert Clemen forderte Oberbürgermeister Burkhard Jung auf, endlich entschieden gegen linksextreme Gewalt vorzugehen. Schwere Ausschreitungen im Süden von Leipzig - 69 Beamte verletztAm Rande einer Demonstration von Rechten im Süden von Leipzig ist es am Samstag zu schweren Ausschreitungen zwischen linken Gegendemonstranten und der Polizei gekommen. Vermummte warfen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper, die Beamten gingen mit Wasserwerfern und Reizgas gegen die Krawallmacher vor. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden Polizisten aus einer Menge von etwa 1000 Menschen heraus massiv angegriffen. Insgesamt wurden 69 Beamte verletzt, 50 Dienstfahrzeuge beschädigt und 23 Menschen in Gewahrsam genommen.Ermittlungen wegen schweren LandfriedensbruchsDie Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt nach den Krawallen im Süden der Stadt wegen schweren Landfriedensbruchs. Wie Behördensprecher Ricardo Schulz sagte, gebe es etliche Verfahren gegen Vermummte, die mit Steinen geworfen haben. Bisher werde ausschließlich gegen die linksautonome Szene ermittelt, hieß es. Bei den Ausschreitungen am Samstag wurde 23 Menschen vorübergehend in Gewahrsam genommen. Sie sind alle wieder auf freiem Fuß. 2.500 Gegendemonstranten - Nur wenige Teilnehmer bei Rechten-DemoNach Angaben der Studentengruppe „Durchgezählt“ beteiligten sich etwa 2.500 Menschen an mehreren Gegendemonstrationen. Die Polizei wollte diese Zahl nicht bestätigen. Anlass der Krawalle war eine Demonstration von Rechtsextremisten im Stadtteil Südvorstadt. Dazu seien weit weniger Teilnehmer gekommen als die angemeldeten 600, so die Polizei. Die Demo war am Samstagabend beendet.Angespannte Stimmung im Vorfeld
Unbekannte hatten schon am Samstagmorgen mehrere Brände in der Südvorstadt und in Connewitz gelegt. Es brannten Autoreifen und Container, so eine Polizeisprecherin. Außerdem wurde auf einem Fabrikdach ein Lagerfeuer entzündet. Einen Zusammenhang mit den Demos ist laut Polizei nicht auszuschließen.