Belastende und widersprüchliche Aussagen im Görlitzer Mordprozess
Mit der Vernehmung weiterer Zeugen ist heute der Mordprozess gegen ein Paar aus Görlitz fortgesetzt worden. Dabei wurde bekannt, dass die beiden Angeklagten nach dem Tod des Nieskyer zunächst in einem Hotel in Görlitz übernachteten, dann mit dem Auto des Opfers nach Radeberg fuhren, dort mit einem gestohlenen Transporter weiter nach Dresden flüchteten. In Dresden verbrachten sie eine Nacht im Hilton-Hotel. Schließlich kehrten sie wieder nach Görlitz zurück und ließen sich anschließend nach Seifhennersdorf chauffieren. Dort übernachteten sie bei einem Bekannten der Angeklagten. Er sagte heute als Zeuge aus.
Sie hatten zwei große Reisetaschen und zwei Rucksäcke bei sich. Am nächsten Tag wollte der Bekannte wissen, was eigentlich los sei. Sie habe zunächst herumgestammelt, sei dann mit der Sprache herausgekommen und habe gesagt – so der Zeuge wörtlich: „Wir haben einen um die Ecke gebracht“. Ihr Partner habe auf der Couch gesessen und nur gegrinst. Dann fuhren er und der Seifhennersdorfer in eine Spielothek nach Neugersdorf. Später hätten die Beiden Geld abgehoben, Lebensmittel und Kosmetika gekauft.
Am Nachmittag trat eine Mitgefangene aus der Untersuchungshaft in den Zeugenstand. Sie sagte aus, dass ihr die Angeklagte erzählt habe, dass sie einkaufen und zuvor Geld abheben gehen wollte. Als sie zurück in ihre Wohnung gekehrt sei, habe der Nieskyer auf einem Stuhl gesessen, gefesselt und mit einer Plastiktüte über den Kopf. In der Wohnung habe sich nur noch ihr Freund aufgehalten.
In der Vernehmung bei der Polizei soll die Angeklagte eine andere Version geschildert haben. Demnach will sie am Tattag am 5. Februar, einem Sonntag, zweimal ihre Wohnung verlassen haben. Sie wollte angeblich Katzenfutter kaufen und vorher Geld abheben, sie habe aber kein Geld bekommen. Zurück in ihrer Wohnung habe der Nieskyer gefesselt auf einem Stuhl gesessen. Ihr Freund, der einen Wohnungsschlüssel besaß, war ebenfalls da. Er habe ihr die EC-Karte des 24-jährigen gegeben. Daraufhin sei sie erneut zum Geldautomaten gelaufen.Als sie wiederkam, hatte der junge Mann eine Plastiktüte über den Kopf. Daraufhin sei sie zusammengebrochen. Ihr Freund habe sie weggeschickt.
Der Prozess wird fortgesetzt.