Waldbrand Sächsische Schweiz: Landratsamt warnt vor Starkregen

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Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kommt aus den Wetterextremen nicht heraus. Nach wochenlangen Waldbränden und Hitze warnte das Landratsamt in Pirna am Donnerstag vor Starkregen und Gewitter in den kommenden Tagen. "Auf Grund der anhaltenden Hitze im gesamten Landkreis ist der Boden mittlerweile derart ausgetrocknet, dass aufkommender Regen oder sogar Starkregen nicht sofort von den Böden aufgenommen werden können", hieß es. Bäche und Flüsse könnten rasch anschwellen und Überflutungen auslösen. "Vor allem in der Region in der Hinteren Sächsischen Schweiz, wo die Feuer große Mengen an Asche hinterlassen haben, ist damit zu rechnen, dass sich diese mit dem Regen in Schlammlawinen talwärts wälzen könnten."

Für den Fall, dass sich die Wetterlage zuspitzt, ist laut dem Landratsamt Folgendes zu beachten:

  • Verfolgung aktueller Wettermeldungen über z. B. www.dwd.de
  • Beobachtung des örtlichen Gewässers
  • Tätigwerden bei Sirenensignal 3 „Warnung vor einer Gefahr“

Verhalten bei Signal 3 – Warnung vor einer Gefahr:

  • Signal 3 erkennen: einminütiger Heulton, bestehend aus 6 Tönen von jeweils 5 Sekunden und 5 Sekunden Pause
  • Rundfunkgerät einschalten und auf Durchsagen achten
  • Bürger Informations- und Warnsystem (BIWAPP) nutzen
  • Nachbarn und Straßenpassanten über Durchsagen informieren und älteren und behinderten Menschen sowie ausländischen Mitbürgern helfen
  • Befolgen der behördlichen Anweisungen
  • Telefonate, besonders in den Mobilfunknetzen, kurz halten – die Hilfskräfte sind auf freie Telefonleitungen angewiesen
  • Wege zum Schadensgebiet sind freizuhalten

Weitere Informationen zu Sirenensignalen unter www.landratsamt-pirna.de/warnung-der-bevolkerung.html

Anzahl an Glutnestern verkleinert und B 172 wieder freigegeben

Ein Großteil der vom Waldbrand betroffenen Region im Elbsandsteingebirge ist für Wanderer wieder zu erreichen. In den vergangenen Tagen konnte die Zahl der Glutnester stark verkleinert werden, heißt es von der Nationalparkverwaltung. "Dadurch sind wieder große Teile der Wälder um Hinterhermsdorf sowie die Kirnitzschklamm begehbar. Auch die traditionellen Kahnfahrten auf der Oberen Schleuse sind wieder möglich."

Mittlerweile ist auch die B 172 zwischen Bad Schandau und dem Grenzübergang Schmilka wieder freigegeben. Seit Donnerstagnachmittag ist die Straße wieder befahrbar. Wegen des Waldbrandes war sie wochenlang gesperrt und nur durch Einsatzkräften nutzbar. Die Straße durchs Kirnitzschtal ist seit dem 13. August wieder frei für den Verkehr und auch die historische Kirnitzschtalbahn fährt wieder.

Tourismusverband Sächsische Schweiz hofft auf kurzentschlossene Urlauber

Der Tourismusverband Sächsische Schweiz hofft nach dem Waldbrand im hinteren Teil des Nationalparks um kurzentschlossene Wandergäste. "Naturfreunde, die in den nächsten Wochen anreisen, unterstützen über ein gekoppeltes Spendenprojekt sogar den Wiederaufbau des betroffenen Gebiets", teilte der Verein am Dienstag in Pirna mit. Eine erste Bestandsaufnahme der Feuerkatastrophe zeige, dass die tatsächliche Einsatzfläche mit 0,4 Prozent der gesamten Urlaubsregion "winzig" sei.

"Wanderurlaub ist wieder problemlos möglich, für Kurzentschlossene ist die Gelegenheit günstig, zahlreiche begehrte Unterkünfte sind kurzfristig wieder verfügbar", warb der Verein. Aktuell gebe es nur geringe Einschränkungen für Urlauber. Nur etwa 1,5 des insgesamt 381 Quadratkilometer umfassenden Gebiets mit etwa 1200 Kilometern Wanderwegen und rund 3 der 116 Kilometer des Malerwegs seien betroffen.

Bei Buchungen über den Tourismusverband für Ankünfte bis Ende Oktober spendet dieser zehn Prozent des Gesamtbetrags für das private Projekt «Wiederaufbau Nationalparkregion Sächsische Schweiz». Bisher kamen mehr als 28 000 Euro für die Rekultivierung im Nationalpark in der wildromantischen Felsenwelt des Elbsandsteingebirges, die zu Deutschlands beliebtesten Wanderregionen zählt.

Katastrophenalarm für Sebnitz aufgehoben

Nach dem Löschen der Brandherde nahe der Stadt Sebnitz in der Sächsischen Schweiz ist am Dienstag (9. August) dort der Katastrophenalarm aufgehoben worden. Es bestehe auf dem Sebnitzer Gebiet keine akute Gefährdung, teilte das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit.

Das Betretungsverbot für den Wald im Einsatzgebiet Hintere Sächsische Schweiz, zu dem auch Teile der Sebnitzer Flur gehören, bleibt davon aber unberührt. Es sind weiterhin Einsatzkräfte in dem Bereich aktiv. Sie bekämpfen die Brandherde und Glutnester im Gebiet der Stadt Bad Schandau, für die auch weiterhin Katastrophenalarm besteht.

Mit der Auslösung des Katastrophenalarms konnten die Einsatzkräfte besser koordiniert und aufgestockt werden. Konkrete Folgen für die Bevölkerung hatte die Maßnahme nicht.

Mehr als 1000 Helfer von DRK und Bergwacht vor Ort

Am Dienstag (9. August) zogen auch die Bergwacht und das Deutsche Rote Kreuz Bilanz. Sie waren bisher mit mehr als 1000 Personen vor Ort. Unterstützung erhielten die Bergretter auch aus Bayern und Thüringen. Sie transportieren auf Spezialfahrzeugen dringend benötigtes Material zu den Brandherden, sicherten Feuerwehrleute oder löschten selbst Glutnester in unwegsamen Gelände.

Die Bergwacht Sachsen richtete ein Spendenkonto ein und bat um Hilfe der Bevölkerung. Um die Arbeit der Helfer zu erleichtern, sollen weitere geländegängige Spezialfahrzeuge und Geräteanhänger mit feuerfesten Seilen beschafft werden. In Summe werden rund 50.000 Euro benötigt, hieß es. "Wir rufen die Freunde der Sächsischen Schweiz auf uns zu unterstützen. Jede Spende ist willkommen."

Neben der Bergwacht sind weitere Einheiten des DRK im Einsatz. "Täglich werden an den Verpflegungsstellen hunderte Mahlzeiten zubereitet. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte übernehmen darüber hinaus die medizinische Erstversorgung von verletzten Brandbekämpfern, aber auch die mentale Einsatznachsorge", hieß es.

Landratsamt Pirna hebt Waldbetretungsverbot teilweise auf

Das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hebt das Betretungsverbot für den Wald im Landkreis teilweise auf. Das ganztägige Waldbetretungsverbot werde ab Sonntag (7. August) aufgehoben, heißt es vom Landratsamt Pirna. Grund hierfür sei, dass in den kommenden Tagen trotz geringer Niederschläge eine höchstens mittlere Waldbrandgefahr prognostiziert werde. Für das Einsatzgebiet Hintere Sächsische Schweiz gelte hingegen auch weiterhin ein Betretungsverbot.

Hilfe von Sachsens Sportvereinen

Der sächsische Sport unterstützt die Einsatzkräfte der Feuerwehren bei ihrem Kampf gegen die verheerenden Waldbrände in der Sächsischen Schweiz. Am Freitag (5. August) initiierten Sachsenlotto und die Initiative "TeamSportSachsen" mit Vertretern der Dresden Monarchs, der Dresden Titans, des HC Elbflorenz, des Dresdner SC Volleyball und der Dresdner Eislöwen eine Päckchenaktion für die Feuerwehrleute sowie Rettungs- und Einsatzkräfte. Für das anstehende Wochenende wurden 1200 Frühstückspakete gepackt. Eine weitere Lieferung ist für die nächste Woche geplant.

Auch Fußball-Drittligist Dynamo Dresden dankt allen im Einsatz befindlichen Kräften. Der Verein und die Spieler spenden nichtalkoholische Getränke im Wert von 5000 Euro. Außerdem werden alle Feuerwehrleute zu einem der nächsten Heimspiele ins Rudolf-Harbig-Stadion sowie zu den "Filmnächten am Elbufer" kostenfrei eingeladen. Darüber hinaus wird in Zusammenarbeit mit dem Dynamo-Ausrüster (Umbro) allen Helferinnen und Helfern Kleidung zur Verfügung gestellt.

Löscharbeiten beim Waldbrand

Schnelle Hilfe für den Tourismus

Das Gastgewerbe in der von Waldbränden betroffenen Sächsischen Schweiz braucht nach Ansicht von Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) rasch Hilfe. "Wir müssen innerhalb der Regierung zusätzliche schnelle Hilfe besprechen. Man braucht keine Kredite, man braucht schnelle Liquidität", sagte Klepsch am Dienstagabend nach einem Treffen mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Dresden und des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Bad Schandau. Wichtig sei ein erleichterter Zugang zum Kurzarbeitergeld und dessen Aufstockung wie in der Pandemie.

Lukas Rohleder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden, beschrieb die momentane Lage der Gastronomen und Hoteliers als prekär. Durch die Corona-Jahre, durch die Inflation und durch die drohende Energiekrise lägen nicht nur die Nerven blank, sondern auch die Liquidität sei nahezu erschöpft. "Jetzt im Sommer und im Herbst wird das Geld verdient, um durch den Winter zu kommen." Man brauche auf jeden Fall eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. "Ich hoffe, dass die Staatsregierung hier Mittel und Wege findet, diese Aufstockung auch vornehmen zu können."

Nach Angaben von Wirtschaftsstaatsekretär Thomas Kralinski (SPD) will Sachsen bei der Unterstützung der betroffenen Unternehmer auch auf Instrumente aus der Corona-Pandemie zurückgreifen. Corona-Hilfen, wenn sie schon zurückgezahlt werden, sollten gestundet werden. Das bringe eine Entlastung. Für alles, was über bestehende Programme hinausgehe, benötige man zunächst eine richtige Datenbasis.

Die Tourismusbranche im Elbsandsteingebirge muss wegen der Waldbrände derzeit zahlreiche Stornierungen hinnehmen und befürchtet, dass dieser Effekt noch längere Zeit anhält. Deshalb ist die Sorge groß, dass manche Unternehmen diese Phase nicht überstehen.

Waldbrand in Böhmischer Schweiz gelöscht

Während sich die Situation beim Waldbrand in der Sächsischen Schweiz an der Grenze zu Tschechien erst allmählich entspannt, ist der Brand jenseits der Grenze bereits gelöscht. Die tschechischen Einsatzkräfte gaben am Freitag bekannt, sie hätten das betroffene Gebiet wieder an die Verwaltung des Nationalparks Böhmische Schweiz übergeben.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur CTK war das Feuer auf tschechischer Seite am 24. Juli ausgebrochen und hatte 20 Tage lang auf bis zu 1060 Hektar Fläche gewütet. Zur Brandbekämpfung hatte Tschechien befreundete Länder um Hilfe gebeten. Italien und Schweden schickten Löschflugzeuge, Hubschrauber kamen aus der Slowakei, Polen und Deutschland. Insgesamt wechselten sich mehr als 6000 Feuerwehrleute im Einsatz ab. 72 Feuerwehrleute sollen vorerst vor Ort bleiben, um das Gebiet auf eventuell verbliebene Glutnester zu kontrollieren.

MP Kretschmer und Bundesverteidigungsministerin zu Besuch

Der Bund will sich an den Kosten des Waldbrandeinsatzes in der Sächsischen Schweiz beteiligen. Dort helfen auch mehrere Hubschrauber der Bundeswehr beim Löschen mit. "In einer solchen Situation sind Kosten noch nie abgerechnet worden. Und von daher sehe ich auch keine Veranlassung, dass man davon abweicht", sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Montag bei einem Besuch in Schmilka. Unweit des deutsch-tschechischen Grenzortes toben sowohl in der Sächsischen als auch in der Böhmischen Schweiz seit einer Woche Waldbrände.

Nach den Worten von Lambrecht gehört es zur Solidarität und Unterstützung dazu, dass man in einer solchen Lage auch über die Verteilung der Kosten redet. Darüber habe sie auch mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) gesprochen. "Wir sind uns einig darüber, dass wir eine gute Lösung finden werden", sagte Lambrecht. "Die Bundeswehr ist im Einsatz, wenn sie gerufen wird." Die Präzision und die Qualität bei dem Löscheinsatz habe sie sehr beeindruckt. Es sei die Bundeswehr, die in solchen Situationen zeige, dass "wir füreinander da sind und zueinander stehen". Lambrecht zufolge sollen die Hubschrauber zunächst noch bis kommenden Sonntag zur Verfügung stehen.

Lambrecht hatte pünktlich bei ihrem Eintreffen einen Regenschauer "mitgebracht", auf den die Einsatzkräfte hier schon seit Tagen sehnsüchtig warten. Allerdings war der Regen nach etwa 15 Minuten auch schon wieder vorbei. Danach ließ sich die Ministerin von der Einsatzleitung unterrichten und unternahm gemeinsam mit Kretschmer und Bundeswehr-General Carsten Breuer einen Erkundungsflug über das Brandgebiet. Währenddessen flogen Lösch-Hubschrauber quasi im Minutentakt Wasser aus der Elbe in das Brandgebiet.

"Das Feuer hat eine klaffende Wunde hier in den Nationalpark gerissen", sagte Kretschmer im Anschluss. Natürlich werde die Natur diese Wunde auch wieder heilen. "Aber wir werden lange damit zu tun haben." Man werde sich damit auseinandersetzen müssen, welche Konsequenzen das hat etwa für die Waldbewirtschaftung, die Aufklärung der Bevölkerung und den vorsorgenden Brandschutz. Es gehe darum, sich stärker aufzustellen, um bei einem Waldbrand rasch handeln zu können.

Bilder des Waldbrandes

Kretschmer zu Brandbekämpfung: "Es wird Tage und Wochen dauern"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer geht davon aus, dass die Bekämpfung des Waldbrandes in der Sächsischen Schweiz noch lange dauert. "Es wird Tage und Wochen dauern, bis wir über Entspannung reden können", sagte der CDU-Politiker bei einem Besuch in Bad Schandau am Freitagabend. Der Regierungschef sprach von einer "großen und schweren Aufgabe". Zuvor war er mit einem Hubschrauber über das Waldbrandgebiet geflogen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Dafür hatte Kretschmer wie zuvor bereits Innenminister Armin Schuster (CDU), der am Freitagabend bei dem Besuch in Bad Schandau auch dabei war, seinen Urlaub abgebrochen.

Feuerwehr und Katastrophenschützer werden seit Tagen im Elbsandsteingebirge von einem verheerenden Brand in Atem gehalten. Ein zweiter wütet an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze.

Der Einsatz werde viel Geld kosten, Kretschmer sprach von "vielen Millionen Euro." Er sicherte den betroffenen Regionen im Nationalpark sowie in Nordsachsen finanzielle Hilfe zu - auch für den Wiederaufbau. In einer Zeit, in der es immer trockener werde, müsse man auch über die Zukunft der Nationalparks sprechen, so Kretschmer. Unter anderem müsse etwa über Schneisen, Wasserhaltung in den Wäldern und die Entfernung von Totholz diskutiert werden.

Zudem dankte Sachsens Regierungschef den Einsatzkräften von Feuerwehr, Bundespolizei und Bundeswehr für den tagelangen Einsatz. Würden sie aufhören zu arbeiten, würde alles abbrennen, betonte Kretschmer. "Es ist eine Frage der Kraft, wer hat die Durchhaltefähigkeit, wer gibt zuerst auf." Auch der Bund habe weiterhin Unterstützung durch Löschhubschrauber zugesagt. "Das einzige Einsatzmittel, was hier wirklich etwas bringt."

Zugleich rief Kretschmer die Menschen auf, Urlaub in der Sächsischen Schweiz nicht zu stornieren. Jede Reise helfe der Region. Vom Waldbrand betroffen sei ein Gebiet von rund 1,5 Quadratkilometern - die Sächsische Schweiz umfasse aber ein Gebiet von mehr als 90 Quadratkilometern.

Bürgertelefon und Spenden-Koordinierungsstelle für Einsatzkräfte

Das Landratsamt  Pirna hat für Fragen zum Thema Waldbrand ein Bürgertelefon unter der Rufnummer 03501 515-5522 eingerichtet. Unter dieser Nummer werden nach Behördenangaben auch Hilfs- und Unterstützungsangebote für die Einsatzkräfte registriert und entsprechend weitergeleitet.

Spenden für die Einsatzkräfte (Speisen, Getränke etc.) werden in der Stadtverwaltung Bad Schandau koordiniert. Anbieter können sich laut Landratsamt an folgende Telefonnummern wenden:

035022 501122 und  035022 501125

Auch mit Geldspenden kann man die freiwilligen Feuerwehren unterstützen. Das Ausstellen einer Spendenquittung ist auf Wunsch möglich.

Spendenkonto:
IBAN: DE30 8505 0300 3000 0300 17

Kreditinstitut: Ostsächische Sparkasse Dresden

Betreff: Waldbrand Winterberg

Spenden können auch an folgendes Konto überwiesen werden:

Verein der Freunde des Nationalparks Sächsische Schweiz

IBAN: DE77 8505 0300 3100 0611 00

Kreditinstitut: Ostsächsische Sparkasse Dresden

Betreff: Waldbrand Winterberg

Innenminister Schuster in Bad Schandau

Sachsens Innenminister Armin Schuster machte sich am Donnerstag in Bad Schandau ein Bild von der Lage. Gemeinsam mit Umweltminister Wolfram Günther informierte er sich bei der Feuerwehr über den Einatz im Waldbrandgebiet.

Sachsens Innenminister Armin Schuster

Landkreis Sächsische Schweiz verbietet Feuerwerk

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist das Abbrennen von Feuerwerk ab 28.07. verboten. Das Landratsamt hat aufgrund der hohen Walbrandgefahr eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen. Das Abbrennen von Feuerwerken könnte zu einem unkontrollierten Funkenflug führen, heißt es zur Begründung. Die Regelung gilt bis auf weiteres.

Sachsen und Tschechien intensivieren gemeinsame Waldbrandbekämpfung

Sachsen und Tschechien intensivieren die gemeinsame Bekämpfung der Waldbrände in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Für einen länderübergreifenden Einsatz von Löschhubschraubern räumten sich beide Länder gegenseitig Überflugsrechte von bis zu 20 Kilometern über ihren Territorien ein.

Damit können deutsche Piloten Wasser auch aus der Elbe in Tschechien aufnehmen. Die Kommunikation läuft über ein von der Nato freigegebenes geschlossenes Funknetz, so Sachsens Innenminister Armin Schuster.

Bundesregierung verspricht Hilfe

Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (beide Grüne) sagten den betroffenen Ländern Unterstützung beim Kampf gegen die Brände zu. Die Bundesregierung unterstütze die Länder nach ihren Möglichkeiten beim Kampf gegen die Flammen, sagte Lemke der Deutschen Presse-Agentur.

Özdemir sagte der «Rheinischen Post»: «Wo ich die Länder bei der Bekämpfung unterstützen kann, werde ich das tun.» Entscheidend sei jetzt die schnelle Bekämpfung des Feuers. «Die Einsatzkräfte leisten hier schon Großartiges», sagte Özdemir.

Tourismusbranche sorgt sich um Besucher

Wer dieser Tage in der Sächsischen Schweiz Urlaub macht, braucht aber vor allem eines: Geduld. So wird Wandern etwa unmöglich, weil der Wald nicht betreten werden darf. Ein wichtiges Motiv vieler fällt dadurch für einen Aufenthalt im Elbsandsteingebirge weg. Der Tourismusverband Sächsische Schweiz versucht nun, Urlauber zum Dableiben zu bewegen. "Es gibt so viel, was man hier machen kann und was nicht vom Betretungsverbot betroffen ist", sagt Verbandschef Tino Günther und nennt etwa Dampferfahrten, den Radweg an der Elbe, einen Besuch in der Felsenbühne Rathen oder auf der Festung Königstein.

Richter zufolge ist die Situation in der Sächsischen Schweiz zudem differenziert. Viele Gäste, die ihre Unterkunft nicht in der vom Feuer betroffenen Region haben, würden ohnehin bleiben. "Je näher man am Brandgeschehen ist, desto größer ist die Neigung, lieber abzureisen." Im Tourismusverband würden momentan die Drähte glühen, sagt Richters Stellvertreterin Micaela Lindheimer. Die Gäste wollten wissen, wo sie noch hindürfen. "Wir erklären vor allem, was alles geht. 99,5 Prozent der Freizeiteinrichtungen sind nicht betroffen."

In der Verwaltung des Nationalparks Sächsische Schweiz sorgt man sich vor allem um die Vernichtung wertvoller Flächen. Denn von dem Feuer ist uralter Baumbestand in Felsrevieren betroffen. Die Steilhänge sind mit vielen Felsspalten durchzogen, Nadelstreu und Laubstreu haben in den vergangenen Jahrhunderten hier eine meterdicke Humusschicht wachsen lassen, erklärt Hanspeter Mayr, Sprecher der Nationalparkverwaltung. "Dort ist das Feuer meist schon tief im Boden. Da hilft auch eine Hubschrauberladung Wasser nicht."

Nötig wäre vor allem eine richtige Durchfeuchtung des Bodens. Mayer zieht den Hut vor all den Feuerwehrleuten, die nun im Steilhang - mitunter angeseilt - den Brand löschen müssen. Es gebe Untersuchungen alter Brandflächen, wie sich ein Wald nach dem Feuer regeneriert: "Wir haben im Elbsandsteingebirge sandigen Boden. Er ist von Natur aus wasserarm und nährstoffarm. Hier wird die Regeneration deshalb langsamer ablaufen als in fruchtbareren Gebieten." Frank Denner in Schmilka hat von Prognosen aus Tschechien gehört, denen zufolge sich der Wald dort erst in etwa 100 Jahren von den Schäden erholen werde.

Wanderschiff wegen Brand mit neuem Fahrplan

Aufgrund des Waldbrandes im Nationalpark Sächsisch-Böhmische Schweiz verkehrt das Wanderschiff ab Mittwoch, 27.07. 2022 bis auf Weiteres zweimal täglich von Bad Schandau über Königstein zum Kurort Rathen und zurück.

Zum Fahrplan geht es hier:

Felsenbühne Rathen spielt weiter

Trotz der kritischen Lage in der Sächsischen Schweiz läuft der Spielbetrieb auf der Felsenbühne Rathen weiter wie geplant. Die Vorstellungen seien nicht gefährdet, so die Betreiber. Der Zugang sollte aber ausschließlich über den Kurort Rathen erfolgen.

Außerdem gilt ein striktes Rauchverbot auf den Wegen zur Felsenbühne. Sollte sich die Lage zuspitzen, könnte es Einschränkungen geben, um die Sicherheit der Besucher nicht zu gefährden.

Umweltminister Günther: Lage in Sächsischer Schweiz ist eine Tragödie

Den Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz hat der sächsische Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) als eine Tragödie bezeichnet. "Die aktuelle Waldbrandsaison in Sachsen ist verheerend", sagte Günther am Dienstag laut Mitteilung. "Dieser Waldbrand ist eine Tragödie für die Region und für alle Menschen, die vom Tourismus leben". Der Grünen-Politiker bat die Bevölkerung und Touristen darum, das Brandgebiet zu meiden und sich an die Betretungsverbote zu halten.

"Wir erleben hier die Folgen der Klimakrise mit Dürre, Hitze und ausgetrockneten Wäldern". Die Bekämpfung des Brandes im Gebiet des Großen Winterbergs wird laut Angaben des Umweltministeriums noch mehrere Tage andauern. Eine Einschätzung des Schadens und der betroffenen Flächen sei derzeit noch nicht möglich. In den allermeisten Fällen ist der Mensch der Auslöser für Waldbrände, wie Günther sagte. Dies solle auch in der Sächsischen Schweiz untersucht werden.

Ansprechpartner für Touristen

Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V.

Bahnhofstraße 21
01796 Pirna

Telefon: 03501 470147

Fax: 03501 470148

E-Mail: info@saechsische-schweiz.de

Internetseite: www.saechsische-schweiz.de

Tourismusverband Erzgebirge e. V.

Adam-Ries-Straße 16
09456 Annaberg-Buchholz

Telefon: 03733 1880016

Fax: 03733 1880020

E-Mail: presse@erzgebirge-tourismus.de

Internetseite: www.erzgebirge-tourismus.de

Tourismusverband Elbland Dresden e.V.

Dresdner Straße 7

01662 Meißen

Telefon: 03521 76350

Fax: 03521 763540

E-Mail: info@elbland.de

Internetseite: www.dresden-elbland.de