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Chemnitzer Macheten-Mord vor Gericht

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Der Mord an einem 58-Jährigen Chemnitzer im Stadt­teil Ebers­dorf beschäf­tigt ab Mittwoch das Landge­richt. Angeklagt sind die Witwe des Opfers und ihr Liebhaber. Im September vergan­genen Jahres sollen sie gemeinsam ein Komplott geschmiedet und umgesetzt haben. Karl A. hatte keine Ahnung, was ihm bevor­stand. Denn vor Augen hatte er seine Ehefrau, die ihn auf dem heimi­schen Sofa nach allen Regeln der Kunst verführte. Es war eine List. Denn plötz­lich, inmitten des Liebes­spiels, kam der Tod: Mit einer Machete schlug der Mörder zu. Der Ehemann hatte keine Chance - er verblu­tete durch eine tiefe Wunde am Hals. So geht es aus der Ankla­ge­schrift hervor. Von diesem Mittwoch an stehen die Witwe und ihr Geliebter in Chemnitz vor Gericht. Knapp neun Monate nach der Bluttat beginnt vor dem Landge­richt der Prozess gegen das vermeint­liche Mord-Pärchen. "Beide werden beschul­digt, aufgrund eines gemein­samen Tatent­schlusses den Geschä­digten K. A. am 13. September 2016 in seinem Haus in Ebers­dorf unter Ausnut­zung dessen Arg- und Wehrlo­sig­keit getötet zu haben, strafbar als mittä­ter­schaft­lich began­gener Mord", heißt es in der Mittei­lung der Staats­an­walt­schaft Chemnitz. In den vorerst bis Ende August angesetzten elf Verhand­lungs­tagen sollen mehr als 50 Zeugen und sieben Sachver­stän­dige gehört werden. So nüchtern sich der Tatvor­wurf liest: Es war ein Verbre­chen, wie es sich für gewöhn­lich nur Krimi­nal­schrift­steller ausdenken. Eine untreue Ehefrau, ein Geliebter, zwei ehelich geborene Kinder, von denen jedoch mindes­tens eins vom Angeklagten stammt, und eine haarsträu­bende Geschichte. Als die Polizei in der Todes­nacht von Karl A. zu dem Reihen­haus im Stadt­teil Ebers­dorf kam, hatte sich die schwer verletzte Susan A. zu den Nachbarn geschleppt. Sie gab an, dass drei maskierte Männer sie überfallen und ihren Mann getötet hätten. Nicht lange darauf wurde ein Mann verhaftet: Der jetzt 39-Jährige Freund der Witwe. Und damit kam fast alles ans Tages­licht. Denn Jan D. packte aus. Die Tatwaffe fand die Polizei im Fluss Zschopau. Der Beschul­digte habe die Tatvor­würfe vollum­fäng­lich gestanden und auch zur Betei­li­gung der Mitbe­schul­digten umfang­reiche Angaben gemacht, teilte die Staats­an­walt­schaft mit. Sieben Wochen nach der Tat klickten auch bei ihr die Handschellen. Sie soll die Eingangstür angelehnt gelassen sowie Machete, Maske und Handschuhe für ihren Geliebten im Keller bereit gelegt haben. Susan A., deren Geburts­jahr vom Gericht mit 1984 oder 1986 angegeben wird, schweigt. Ihre schweren Schnitt­ver­let­zungen sollen nach den Ermitt­lungen unbeab­sich­tigt durch den vermeint­li­chen Täter mit der Machete verur­sacht worden sein. Der Getötete und seine Witwe hatten sich 2006 kennen­ge­lernt. Ein Jahr später heira­teten sie. Der wesent­lich ältere Karl A. hatte zuvor bereits einen Sohn. Dieser tritt in dem Prozess als Neben­kläger auf und ist einer von zwölf Zeugen, die bereits am Mittwoch geladen sind. (mit dpa)