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Das Hufeisen an der Nikolaikirche

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An der Ostseite der Nikolaikirche befindet sich ein Hufeisen. Man sagt, wer es nicht gesehen hat, der war noch nicht in Leipzig. 

Und tatsächlich: An der Ostseite der Kirche findet man hinter einem schmiedeeisernen Gitter ein großes Hufeisen. Für Handwerksburschen auf der Walz war dieses Zeichen ein Muss, um ihre Anwesenheit in Leipzig zu belegen. Wer es seinem Meister nicht beschreiben konnte, war nicht in der Messestadt.

Aber welche Geschichte steckt hinter diesem Hufeisen? Da gibt es mehrere, hat uns der Küster der Nikolaikirche Matthias Müller verraten. Aber die bekannteste (wenn auch Unwahrscheinlichste) ist diese hier:

Die Legende erzählt von einem hohen Schloss, das einst am Zusammenfluss von Pleiße und Parthe stand. Dort lebten ein alter König und seine wunderschöne Tochter in relativer Ruhe, bis ein furchtbarer Lindwurm das Land terrorisierte. Zuerst forderte das Untier täglich zwei Schafe, dann Rinder und Pferde. Als auch diese Vorräte erschöpft waren, verlangte der Lindwurm Menschenopfer, die per Los bestimmt wurden. Eines Tages traf das Los die Königstochter. 

Gerade als sie dem Ungeheuer geopfert wurde, erschien der Heilige Sankt Georg auf einem kräftigen Ross. Er hörte von der Not und bat den König, den Kampf aufnehmen zu dürfen. Er stieß dem Drachen seine Lanze in die Seite. Das brüllende Untier wälzte sich vor Schmerz und schlug mit dem Schweif um sich. Sankt Georg umkreiste es, um den entscheidenden Stoß zu führen. In diesem Moment stolperte sein Pferd – es hatte ein Hufeisen verloren und blutete am Huf. Sankt Georg sprang ab und spaltete mit einem wuchtigen Hieb den Bauch des Ungeheuers, das daraufhin verendete. 

Das Volk jubelte. Der dankbare König versprach Sankt Georg, jede Bitte zu erfüllen, selbst wenn es seine Krone wäre. Doch der Heilige bat nur um ein neues Hufeisen für sein tapferes Pferd.

Auf Befehl des Königs wurde das verlorene Hufeisen zum ewigen Andenken an eine Linde nahe des Kampfplatzes genagelt. Als diese Linde später dem Ausbau der Stadt Leipzig weichen musste, wurde das Hufeisen an der Ostwand der Nikolaikirche befestigt, wo es bis heute zu sehen ist.

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