Alles „Fit“ oder was? A14-Muldebrücke ist wieder mit Spülmittel gewandert
Der riesige Stahl-Kolloss schiebt sich langsam aber sicher über das Muldental bei Grimma: Die neue, über 350 Meter lange A14-Brücke nimmt konkrete Form an. Am Donnerstag wurde ein Meilenstein gefeiert: Der letzte sogenannte „Verschub“ des gewaltigen Überbaus ist erfolgt. Zeit, einen Blick hinter die Kulissen dieses beeindruckenden Bauprojekts zu werfen – gemeinsam mit den Menschen, die es vorantreiben.
Ein Projekt mit System – und Spülmittel
Jan Höpping schmunzelt. „Ja, es stimmt wirklich“, sagt der leitende Ingenieur auf der Baustelle, als er auf die ungewöhnliche Technik angesprochen wird. „Die Brücke wird tatsächlich mit Spülmittel verschoben – beziehungsweise mit einem handelsüblichen Gleitmittel, das auf Teflon-Platten aufgetragen wird.“ Das reduziere die Reibung, damit sich der 2700 Tonnen schwere Überbau überhaupt bewegen könne.
Auch Hartmut Schurig von der DEGES GmbH bestätigt das kuriose Verfahren: „FIT ist das Mittel der Wahl – das kennen viele aus der Küche.“ Aber beim Brückenbau sei es tatsächlich üblich. „Umwelttechnisch ist das völlig im Rahmen.“
Siebenmal schieben für eine Brücke
Dass die Brücke in sieben Etappen verschoben wird, sei rein technischer Natur, erklärt Höpping: „Das hat mit der Länge unserer Fertigung zu tun. Die Abschnitte werden vor Ort zusammengebaut und dann Stück für Stück verschoben.“
Am Donnerstag fand der finale Schub statt. Danach wird die Stahlbetonplatte aufgebracht. Wenn alles planmäßig läuft, wird der Verkehr Mitte 2026 auf die provisorische Umfahrung geleitet.
Ein Mammutprojekt in mehreren Phasen
Aktuell entsteht der sogenannte „südliche Überbau“, der zunächst den Verkehr aufnehmen soll. Danach wird die alte, gut 50 Jahre alte Brücke abgerissen. Erst dann entsteht an exakt gleicher Stelle der neue „nördliche Überbau“. Am Ende stehen also zwei neue Fahrbahnträger nebeneinander, auf denen der gesamte Verkehr fließen kann – und das voraussichtlich ab 2028.
„Der Verkehr wird Stück für Stück umgelegt“, erklärt Schurig. „Erst auf die Hilfsbrücke, dann kommt die alte weg, und dann wird auf das neue Bauwerk übergeleitet.“ Die Freude sei vorprogrammiert, denn: „Die neue Brücke bringt mehr Verkehrssicherheit – und das wird spürbar für alle, die hier täglich unterwegs sind.“
Ein Kraftakt für viele Hände
40 bis 50 Arbeiter sind regelmäßig auf der Baustelle. Und sie sind mit Begeisterung dabei, sagt Höpping: „Es ist ein schönes Projekt. Viele Kollegen wohnen hier in der Nähe. Sie identifizieren sich mit dem Bauwerk, das ist ihre Brücke.“ Und der Stolz sei spürbar: „Das ist etwas, das bleibt, das sehen auch noch unsere Kinder.“
Auch Lutz Günther, Pressesprecher der DEGES, ist zufrieden mit dem Verlauf: „Nach ein paar Verzögerungen wegen zusätzlicher Korrosionsschutzarbeiten sind wir jetzt wieder gut im Plan.“ Die Kosten würden im ursprünglich anvisierten Rahmen von etwa 86 Millionen Euro liegen.
Zukunft aus Stahl und Beton
So gewaltig das Bauwerk auch ist: Es steht für Zukunftssicherheit. Die alte Brücke hatte ausgedient. Zu lange war der Schwerlastverkehr Tag und Nacht drüber gerollt. Das neue Bauwerk werde für Jahrzehnte den wachsenden Verkehr aufnehmen können. „Es ist ein Standardverfahren, ja“, so Günther. „Aber jedes Mal ist es wieder beeindruckend, wie Ingenieurkunst und Praxis zusammenkommen.“
Wenn also irgendwann in ein paar Jahren Autofahrer über das neue Muldental-Bauwerk rollen, denken vielleicht nur wenige an Teflon-Platten, Fit und Verschubtechnik. Aber die, die es gebaut haben, werden bei jedem Vorbeifahren wissen: Das ist auch ein Stück von uns ...