Dresden erinnert an 13. Februar 1945
Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen wird seit Montagmorgen an die Zerstörung Dresdens vor 72 Jahren erinnert. Am Vormittag haben die Gedenkfeierlichkeiten zur Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg begonnen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert legte an einem Gedenkstein auf dem Altmarkt eine weiße Rosen nieder. Dort waren nach den Luftangriffen alliierter Bomber vom 13. und 14. Februar 1945 die Leichen von knapp 7000 Todesopfern verbrannt worden. Hilbert betonte, wie wichtig es sei, "daran zu erinnern, was der Krieg an Leid über die Menschen bringt". Weitere Veranstaltungen fanden zeitgleich unter anderem auf dem Urnenhain Tolkewitz statt, wo an die Euthanasieopfer der nationalsozialistischen Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein erinnert wird, oder am Alten Leipziger Bahnhof, von wo aus die meisten Dresdner Juden zwischen 1938 und 1945 deportiert wurden. Am Heidefriedhof wurden Kränze niedergelegt, dort waren auch Vertreter von AfD und NPD aufgetaucht - darunter auch der Holocaustleugner Ittner, der bereits am Wochenende eine rechtsextreme Demonstration veranstaltet hatte. Redepassagen vom Wochenende werden aktuell vom Staatsschutz überprüft. Polizei stoppt rechte AktionenDie Polizei kontrollierte am Terrassenufer ein Boot mit einem Transparent mit Parolen gegen Oberbürgermeister Hilbert. Die Wasserschutzpolizei eskortiere das Motorboot zurück in Richtung Pieschen. Dieses Boot war bereits bei der "Festung Europa"-Kundgebung am Blauen Wunder aufgetaucht. Auch eine nichtangemeldete Demonstration einer rechtsextremen Aktivistin am Neumarkt wurde von der Polizei unterbunden, die Personalien der Demonstrantin aufgenommen. Weitere Störer erhielten Platzverweise oder wurden in Richtung Verkehrsmuseum abgedrängt. Am Neumarkt wurde auch am Nachmittag über die drei hochkant stehenden Busse lebhaft diskutiert. Dort wurden auch immer wieder Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet.Mahngang Täterspuren erinnert an NS-VerbrechenGut 700 bis 800 Menschen (ermittelt von "Durchgezählt") haben sich am Nachmittag auf die Spuren der Nazi-Täter in Dresden begeben. Mit der Demonstration erinnerten die Organisatoren schon seit Jahren daran, dass der Mythos einer "unschuldigen Stadt" mit den geschichtlichen Fakten nicht übereinstimmt. Schauspieler trugen dabei Texte vor, in denen die Rolle Dresdens im NS-Regime deutlich wird. Außerdem frequentierte der "Mahngang Täterspuren" Schauplätze in der Stadt, die für die Verbrechen der Nationalsozialisten stehen. Er begann am Wettiner Platz, auf dem 1933 die erste Bücherverbrennung stattfand. In diesem Jahr hatten Studierende der Evangelischen Hochschule Dresden die Tour erarbeitet. Menschenkette in der InnenstadtAm Neumarkt hat sich am Abend die Menschenkette formiert, die sich um 18:00 Uhr geschlossen hat. Die Glocken der Dresdner Kirchen ertönten. Nach Angaben der Stadtverwaltung beteiligten sich 12.000 Menschen, 1.000 mehr als im vergangenen Jahr. Die Dresdner Verkehrsbetriebe hatten zur Menschenkette den Takt erhöht. Hilbert erinnert an Rolle von Dresden zur NS-ZeitDie Rede von Oberbürgermeister Hilbert auf dem Neumarkt zum Auftakt der Menschenkette wurde diesmal nicht von Störungen unterbrochen. Vor einer Woche hatten Demonstranten bei der Eröffnung des Monument-Kunstwerkes Hilbert niedergebrüllt und gepfiffen. Hilbert sagte dazu: "Ich habe darauf hingewiesen, dass die NSDAP in Dresden Mehrheiten hinter sich versammelte, wie in keiner zweiten deutschen Großstadt. Hier gab es Rüstungsproduktion, Kriegsvorbereitung, Zwangsarbeit, Judenverfolgung. Ich war weder der erste noch der einzige, der das thematisiert hat. Trotzdem zeigten die heftigen Reaktionen, dass diese Frage Dresden immer wieder aufs Neue spaltet. Doch wie wollen wir Gräben überwinden, wenn es uns nicht einmal gelingt, den anderen reden zu lassen?Das Gedenken steht in diesem Jahr im Zeichen der Menschlichkeit und ist in der Stadt heftig umstritten. Zwei im Vorfeld des Jahrestages installierte Kunstprojekte, die an das Leid ziviler Opfer in aktuellen Krisen erinnern, hatten für scharfe Kritik vor allem aus dem Pegida-Umfeld geführt.Am Wochenende hatten mehrere hundert Neonazis in Dresden versucht, das Gedenken für ihre Ideologie zu missbrauchen. Rechtsextreme nutzen den Jahrestag immer wieder für ihre Zwecke und rechnen die Opferzahlen hoch, um so "alliierte Kriegsverbrechen" zu belegen. Das Bündnis Dresden Nazifrei protestierte mit etwa 1000 Menschen gegen die zwei rechten Aufzüge, blockierte diese teilweise. (mit dpa)Mehr zum 13. Februar finden Sie hier: http://13februar.dresden.de/de/veranstaltungen.phpWeitere Informationen zu Veranstaltungen und Sperrungen.
Audio:
Polizei prüft Boot mit Parolen gegen OB Hilbert am Terrassenufer.Dieses Boot war auch bei "Festung Europa"-Demo am Blauen Wunder aufgetaucht https://t.co/6H1AvxPjWI
— Radio Dresden (@RadioDresden) 13. Februar 2017
Auch zu #DD1302 verbale Angriffe auf OB #Hilbert... https://t.co/j1aApcD7vq
— Radio Dresden (@RadioDresden) 13. Februar 2017