Dresden erinnert an Zerstörung 1945 - 17.000 Teilnehmer bei Menschenkette
Hand in Hand für stilles Gedenken und gegen Naziaufmärsche: 17 000 Menschen haben in Dresden eine beeindruckende Menschenkette gebildet und damit zum Jahrestag der Luftangriffe vom 13. Februar 1945 zum stillem Gedenken aufgerufen. Damit kamen deutlich mehr Menschen als im Vorjahr zur Menschenkette - Dresden hat ein deutliches Zeichen gesetzt.Nach diesem Erfolg bereitet sich die Stadt auf kommendes Wochenende vor. Am Samstag wollen wieder Neonazis aufmarschieren. Die Polizei rechnet mit einer größeren Dimension als gestern. Polizeichef Dieter Hanitsch bezifferte das Potenzial auf bis zu 4.000 Rechte. Ihnen könnten etwa 3.000 Linksextreme und bis zu 20.000 weitere Gegendemonstranten entgegenstehen. Der Stadt liegen bisher rund 70 Anmeldungen für Versammlungen vor - zwei Drittel davon sind Mahnwachen der Kirchen.Menschenkette in der InnenstadtMehr als drei Kilometer lang war die Reihe der Menschen, die dicht an dicht im Dresdner Stadtzentrum standen. Viele haben eine kleine weiße Rose als Symbol an Mantel oder Jacke. Punkt 14 Uhr läuteten dann die Kirchenglocken. Alte und Junge, Leute, Touristen und Familien mit kleinen Kindern haben in diesen Minuten der etwa 25 000 Toten gedacht, die die Luftangriffe auf Dresden vor 66 Jahren forderten. Nach zehn Minuten gab es Beifall. „Dresden ist auf gutem Wege, sich sein stilles Gedenken Zurückzuerobern“, ist sich Bundesinnenminister Thomas des Maizière sicher. Er hat sich wie andere Politiker unweit der Hofkirche in die Menschenkette eingereiht.Univiertel abgesperrtVor dem Hauptbahnhof gab es am Nachmittag nach der Menschenkette eine spontane Demonstration gegen den Aufmarsch Rechtsextremer. Die Stadt hatte für den 13. Februar alle Aktionen gegen den Neonazi-Marsch auf der Altstädter Seite verboten. Es waren immer wieder Rufe "Nazis raus" zu hören. Der Fritz-Löffler-Platz wurde von mehreren hundert Demonstranten blockiert. Die Strecke, auf der die Rechten in diesem Jahr marschieren wollten, ist diesmal weiträumig abgesperrt. Gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer sind aufgefahren. Beamte aus mehreren Bundesländern sollen verhindern, dass es ein Zusammentreffen mit Gegendemonstranten gibt. Der Wermutstropfen: Schon am kommenden Wochenende wollen die Nazis wiederkommen, um in Dresden zur marschieren. Kranzniederlegung am Vormittag auf dem HeidefriedhofViele Opfer der Bombenangriffe fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Dresdens zweiter Bürgermeister Detlef Sittel sagte "Dresden will Versöhnung, Dresden lebt Versöhnung". Er sprach sich gegen einen Missbrauch des 13. Februars aus. Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremen und Linken wurden von der Polizei getrennt. Im Vorfeld wurde der Gedenkstein auf dem Heidefriedhof beschädigt. Unbekannte hatten am Samstag zwei Buchstaben entfernt, die Kriminalpolizei ermittelt.Kontrollaktionen in der StadtAm Morgen starteten die Kontrollaktionen der Polizei. An Bahnhöfen und Autobahnabfahrten wurden anreisende Personen kontrolliert. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft wurden Platzverweise ausgesprochen. Der Hauptbahnhof war zeitweise komplett gesperrt. Die DVB mussten den Betrieb der Linien 3,8 und 11 einschränken.Dresdner Friedenspreis verliehenDer Dirigent und Pianist Daniel Barenboim hat den mit 25 000 Euro dotierten Dresden-Preis erhalten. Mit der Auszeichnung würdigte der Verein Friends of Dresden Deutschland dessen Engagement um einen Dialog im Nahen Osten. Bei dem Festakt in der Semperoper würdigte Altbundespräsident Richard von Weizsäcker Barenboim als „einen mutigen und aufrüttelnden Wegweiser“ vor allem für die junge Generation. Der Geehrte spielte zum Dank eine Schubert-Sonate. „Zutiefst gerührt“ über die Ehrung warb Barenboim dafür, Konflikte friedlich und die Probleme der Welt im Dialog zu lösen. „Wir haben es doch bewiesen.“