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Auf der Suche nach dem Sommerloch: Mein Interview mit einer Litfaßsäule

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Wegen eines besonderen Jubiläums haben wir eine Litfaßsäule interviewt. Auf speziellen Wunsch von ihr haben wir uns dafür exklusiv in Leipzig auf der Brandenburger Straße (Ecke Hofmeisterstraße) getroffen ...

Radio Leipzig:Guten Tag. Schön, dass es geklappt hat.

Litfaßsäule:  [Schweigen]

RL:Nun, kommen wir erstmal zum Grund unseres Treffens. Am 1. Juli feiern Sie ihren 170. Geburtstag.

Litfaßsäule:Also bitte, dabei handelt es sich wohl eher um einen meiner Vorfahren aus Berlin. Ganz so abgenutzt sehe ich dann ja hoffentlich nicht aus. Aber ich freue mich, dass Sie als Radio-Sender Anteil an unserem Schicksal nehmen.

RL:Ja, so ein witziges kleines Thema kann man im Radio-Programm gut bringen. Und wir haben ja auch gerade das Sommerloch. Das war aber nicht zu einem Gespräch bereit so wie Sie altes Stück.

Litfaßsäule: Das war jetzt wieder nicht sehr nett...

RL:Nein! So war es auch wieder nicht gemeint. Aber jetzt zu unserer ersten Frage: Wann wurden die ersten Säulen eigentlich aufgestellt und warum heißen Sie so?

Litfaßsäule:Am 1. Juli 1855 hat Ernst Theodor Amandus Litfaß - daher der Name - in Berlin die ersten 100 der Öffentlichkeit präsentiert.

RL:Ah! Und mit welchem Zweck wurden sie eingeführt?

Litfaßsäule:Gute Frage! Zum einen war Litfaß einfach ein Druckereibesitzer, der ein neues Geschäftsfeld gefunden hat. Andererseits haben zu der Zeit alle wild plakatiert, wo immer sie wollten. Durch uns Säulen wurde das dann besser reglementiert. Es gab endlich einen Ort für die Plakate.

RL:Also auch eine Möglichkeit zu steuern, was überhaupt hängt?

Litfaßsäule: Sicher. Für die preußische Zensur war das ein Glücksfall. Unliebsame Plakate wurden dadurch deutlich schneller ausfindig gemacht.

RL:Jetzt sind wir hier nicht in Preußen, sondern in Sachsen - in Leipzig, nicht in Berlin. Wann wurde denn hier die erste Litfaßsäule aufgestellt bzw. wo steht die älteste?

Litfaßsäule:Also ich bin es schon mal nicht. [Schmunzelt, dabei bröckelt der Beton] Aber zu ihrer Frage: Die kann ich leider nicht beantworten. Dazu kann ich aber das Leipziger Stadtarchiv anfragen und es gegebenenfalls nachreichen.

RL:In Ordnung und wie viele Säulen stehen heute noch Leipzig?

Litfaßsäule:Die Werbefirma Ströer gibt an, dass sie allein in Leipzig und Umland noch rund 620 Säulen bewirtschaften. Für das Jubiläum wollen sie wohl auch eine Jubiläumssäule auf der Karl-Liebknecht-Straße Ecke Scharnhoststraße im Süden der Stadt gestalten.

RL:Das wollte ich eh fragen: Wie feiern Sie das Jubiläum?

Litfaßsäule:Weg kann ich hier ja nicht. Aber ich hoffe schon, dass bei mir der ein oder andere vorbeischaut. Darin sind wir bekanntlich ganz gut.

RL:Dann weiter gute Erfolge und viel Standfestigkeit! Danke für das Gespräch.