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Fragen und Antworten zur Öffnung der Kitas und Schulen

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Nach rund zwei Monaten zu Hause sollen nun Mädchen und Jungen an die Grundschulen und in die Kitas zurückkehren - in strikt voneinander getrennten Gruppen. Auch Kinder an weiterführenden Schulen sollen zumindest teilweise wieder unterrichtet werden. Für alle gelten umfassende Regeln. Ein Überblick.

Wer darf ab 18. Mai wieder in Schulen und Kitas?

Es gilt in Sachsen ab dem 18. Mai ein eingeschränkter Regelbetrieb, der die bisherige Notbetreuung ablöst. Krippen- und Kindergartenkinder dürfen wieder in die Einrichtungen, ebenso die ersten bis dritten Klassen an den Grund- und Förderschulen (die vierten Klassen gehen bereits wieder in die Schule). Auch an weiterführenden Schulen findet wieder teilweise Unterricht statt. Eltern müssen sich aber darauf einstellen, dass der Unterricht nicht in vollem Umfang stattfindet, ebenso muss laut Städtischem Städte- und Gemeindetag (SSG) mit eingeschränkten Kita-Öffnungszeiten gerechnet werden.

Welche Regeln gelten für die Wiederöffnung?

Wenn Kinder erkältet sind, dürfen sie die Einrichtung nicht betreten. Eltern müssen jeden Tag eine Bescheinigung ausfüllen, dass es in der Familie und beim Kind selbst keine Symptome gibt. Eltern sollten zudem beim Bringen und Abholen einen Mundschutz tragen, auch Erziehern und Lehrern wird das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung empfohlen, wenn es die Situation zulässt. Kinder müssen keine Maske tragen. Es gelten zudem verstärkte Hygiene-Regeln.

Wie soll die Wiedereröffnung in der Praxis aussehen?

Sachsen setzt in Kitas und Grundschulen auf eine strikte Trennung der Gruppen anstatt auf Abstandsregeln und kleine Gruppengrößen. Gerade kleinere Kinder könnten Abstände nur schwer einhalten, eine Betreuung im Schichtsystem sei zudem nur schwer zu realisieren, begründet Kultusminister Christian Piwarz (CDU) das Modell. Das heißt, dass es feste Gruppenräume und Erzieher, beziehungsweise Lehrer gibt. Sowohl im Gebäude als auch auf dem Schulhof oder im Kita-Garten dürfen sich die jeweiligen Gruppen nicht begegnen. ‎

Gibt es ab 18. Mai wieder ganz normalen Unterricht?

Nein. Der normale Lehrplan werde nicht mehr vermittelt werden können, auch nicht die vollständige Stundentafel, macht Kultusminister Piwarz deutlich. Vor allem an den Grundschulen sollen die Kernfächer - also Mathematik Deutsch und Sachkunde - im Vordergrund stehen. Sportunterricht etwa soll es vorerst nicht geben. In den höheren Stufen ab Klasse 5 greift ein „rollierendes System“ - je nach räumlichen und personellen Voraussetzungen der Schulen. Klassen werden in kleine Gruppen eingeteilt. Ziel ist es, dass jeder Schüler mindestens einmal pro Woche in der Schule ist und sich mit dem Lehrer austauscht. Präsenzzeiten in der Schule und Lernzeiten zu Hause sollen sich abwechseln. Anders als in den Grundschulen gibt es hier keine festen Gruppen, weil das Ministerium davon ausgeht, dass größere Kinder Hygiene- und Abstandsregeln besser einhalten können.

Wenn eine Infektion an einer Kita oder Schule auftritt, wird dann die gesamte Einrichtung geschlossen?

Wenn es eine Corona-Infektion gibt, wird die Gruppe in Quarantäne geschickt. Das Kultusministerium erhofft sich von seinem Modell der streng getrennten Betreuungsgruppen aber, dass nur die jeweilige Grundschulklasse oder Kitagruppe in Quarantäne geht und nicht die gesamte Einrichtung. Letztlich entscheiden das aber die Gesundheitsämter.

Gibt es künftig mehr Erzieher in den Kitas?

In vielen Kitas gibt es offene Konzepte und einen Austausch zwischen den Gruppen und Erziehern. Künftig müssen die Kitas sich so organisieren, dass es feste Gruppen mit festen Bezugspersonen gibt - ein personeller Mehraufwand. Am Betreuungsschlüssel an den Kitas soll sich laut Kultusministerium vorerst nichts ändern. Wenn Kollegen erkranken, muss die Leitung erklären, ob die Betreuung durch andere Kollegen abgesichert werden kann. Es sei nicht auszuschließen, dass die Betreuung dann teilweise eingeschränkt werden müsse, so Piwarz.

Warum hat sich Sachsen für diesen Weg entschieden?

Mit kleinen Gruppen und Abstandsregeln ist nach Einschätzung des Kultusministeriums über Monate hinweg kein Regelbetrieb möglich. Deshalb hat das Land unter anderem mit Medizinern nach einem anderen Konzept gesucht. Beteiligt war auch der Dresdner Infektiologe Reinhard Berner. Seiner Ansicht nach braucht es langfristige Modelle, die Kindern Zugang zu Gleichaltrigen ermöglichen. Die nächsten Sommermonate mit voraussichtlich geringen Infektionszahlen können genutzt werden, um Konzepte zu testen - und notfalls zu korrigieren. „Diese Zeit werden wir im Herbst oder Winter nicht mehr haben. Wir stehen vor einer zweiten oder dritten Welle“, so Berner. Größere, aber dafür feste und voneinander getrennte Gruppen haben laut Berner den Vorteil, dass Infektionen schnell nachverfolgt werden können.