Forum im Zwickauer Rathaus: Autozulieferer warnen vor Zusammenbruch von Lieferketten

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Wegen hoher Energiekosten hat der Verband AMZ vor einem erneuten Zusammenbruch von Lieferketten in der Automobilbranche gewarnt. Ein Großteil der Zulieferbetriebe habe volle Auftragsbücher, könne höhere Energiepreise wegen langfristiger Verträge aber kaum an seine Kunden weitergeben, erklärte AMZ-Netzwerkmanager Dirk Vogel am Mittwoch. Die Folge: Firmen könnten bald ihre Produktion drosseln oder ganz einstellen. Ein "folgenschwerer Dominoeffekt" in der eng verflochtenen Branche drohe. "Das Energieangebot muss massiv erhöht werden, damit die Energiepreise wieder sinken", forderte Vogel.

Die Automobil- und Zulieferindustrie trifft sich an diesem Mittwoch und Donnerstag zum Automotive Forum in Zwickau. Dabei kommen auch die rund 160 Mitglieder des Netzwerks Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) zusammen. Der Branche insgesamt werden im Freistaat den Angaben nach rund 800 Unternehmen mit 95.000 Beschäftigten zugerechnet. Durch den Umstieg hin zu Elektromobilität und der verstärkten Digitalisierung durchläuft sie seit einigen Jahren einen tiefgreifenden Wandel. Dabei hatte vor allem das Fehlen von Halbleitern infolge der Corona-Krise zu Produktionsausfällen geführt.

In einer Umfrage des AMZ, an der sich 58 Unternehmen beteiligt haben, stuften 70 Prozent die aktuelle Energiekrise für ihren Betrieb als existenzgefährdend ein. Die Hälfte der Firmen räumte ein, dass sie ohne Preiserhöhung in den nächsten Monaten ihre Produktion einstellen müssten. Und fast alle müssen Preiserhöhungen von Lieferanten schultern, jedem vierten sind schon Lieferanten weggebrochen.

Die explodierenden Energiekosten seien eine enorme Belastung für Verbraucher und mittelständische Unternehmen, betonte der Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie, Marcus Bollig, in einer Mitteilung. "Die Politik muss jetzt alles dafür tun, um die Energiekosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit für die Unternehmen zu gewährleisten." Die angekündigte Gaspreisbremse sei ein dringend notwendiges Signal. Zudem müsse die Stromsteuer rasch auf das europäische Mindestmaß gesenkt werden. (dpa)