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Freistaat für Fernbusse kaum gerüstet

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In Sachsen machen immer mehr Fernbusse Halt. Nach Angaben des Wirtschafts­mi­nis­te­riums hat sich die Zahl der privaten Fernbus­an­ge­bote seit vergan­genem Jahr mehr als verdop­pelt. Rund 50 Linien bedienen mittler­weile fünf Städte. Neben den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz sind auch Zwickau und Plauen am Netz. „Es gibt zahlreiche Angebote, die den Geldbeutel schonen sowie Umwelt und Verkehrs­wege entlasten“, sagte ein Minis­te­ri­ums­spre­cher. Doch mitunter sind die Kommunen für das wachsende Netz und den Ansturm der Passa­giere nicht gerüstet. In Dresden halten die Fernbusse derzeit in einer Neben­straße des Haupt­bahn­hofs. Parkende Busse, Autos und Reisende teilen sich die Straße - häufig ist deshalb von einem Fernbus-Chaos die Rede. Die Kapazi­täten sind laut Stadt für den wachsenden Bedarf nicht ausrei­chend. „Den Bau eines Zentralen Omnibus­bahn­hofs (ZOB) halten wir daher für wichtig und dring­lich“, so Baubür­ger­meister Jörn Marx (CDU). Zwar hat der Stadtrat den Bau eines ZOB nördlich des Bahnhofs beschlossen und will auch für den Ausbau zahlen - noch aber fehlt dafür das Geld. Wer für die Finan­zie­rung von Halte­stellen der privaten Busun­ter­nehmen zuständig ist, darüber herrscht Uneinig­keit. Leipzig etwa sieht sich für die Errich­tung eines Fernbus­bahn­hofs nicht in der Pflicht - und verweist auf das Perso­nen­be­för­de­rungs­ge­setz. Demnach seien die Betreiber von Fernbus­li­nien gefor­dert, Halte­punkte einzu­richten. Derzeit stoppen die Busse in der Leipziger Goethe­s­traße. Die Kapazi­täten seien zwar nicht optimal, aber ausrei­chend, so ein Stadt­spre­cher. Seit Monaten werden alter­na­tive Lösungen disku­tiert, darunter eine Halte­stelle auf still­ge­legten Gleisen im Haupt­bahnhof. Busun­ter­nehmen halten dagegen: „Wir sehen die öffent­liche Hand in der Pflicht“, sagte Matthias Schröter vom Bundes­ver­band Deutscher Omnibus­un­ter­nehmer (BDO). An den meisten Anlauf­stellen in Deutsch­land sei die Infra­struktur unzurei­chend. Auch Anbieter wie MeinFernbus, FlixBus und Berlin­Li­ni­enbus sehen den Ausbau als Aufgabe der Kommunen. Die Busli­ni­en­be­treiber betei­ligen sich nach eigenen Angaben bereits mit Nutzungs­ge­bühren an den Kosten, sie zahlen zwischen 5 und 13 Euro je Abfahrt. Das Unter­nehmen MeinFernbus zeigt für das Zögern vieler Städte jedoch Verständnis: „Der Fernbus-Markt expan­diert so stark, dass man den tatsäch­li­chen Bedarf erst prüfen und abwarten muss“, erklärte ein Sprecher. Das Wirtschafts­mi­nis­te­rium kennt das Problem und sieht für den nächsten Doppel­haus­halt zusätz­liche Förder­mög­lich­keiten vor. „Die Bahnhöfe sind wichtige Schnitt­stellen, an denen eine kunden­freund­liche Vernet­zung verschie­dener Verkehrs­mittel - Fernbus und Bahn - möglich sein muss“, erklärte Wirtschafts­mi­nister Sven Morlok (FDP). Damit sollen die Bedin­gungen für die steigende Zahl an Fernbus-Fahrgästen attrak­tiver gestaltet werden. Sachsen setzte sich mit für eine Libera­li­sie­rung des Busver­kehrs ein, wonach Beschrän­kungen für Fernbusse zum 1. Januar 2013 weitge­hend abgeschafft wurden.