Haben Beamte im Leipziger Hauptbahnhof früher vormittags immer Bier getrunken?
Der Leipziger Hauptbahnhof ist Verkehrsanker, Touristen-Magnet und eine Dauer-Shoppingmall: Er hat viele wichtige Funktionen und prägt das Stadtbild wie kaum ein anderes Bauwerk. Er existiert seit nunmehr einem Jahrhundert. Mit dem imposanten Bau in einer Länge von 300 Metern und den 26 Bahnsteigen wurde 1915 eine Kathedrale für die Eisenbahn eröffnet. Die alten Wartesäle, der Speisensaal und der Querbahnsteig mit seiner Länge von 270 m sind Zeugnisse der Eisenbahnepoche.
Haben die Eisenbahner hier jeden Vormittag zur gleichen Zeit Bier getrunken?
Bis 1934 war der Bahnhof übrigens zweigeteilt: Er besaß je 13 preußische und sächsische Gleise sowie zwei Eingangshallen. Je eine für die Königlich Preußische Eisenbahn-Verwaltung und die Königlich Sächsische Staats-Eisenbahn. Laut Bahnhofshistoriker Helge Heinz Heinker zufolge haben sich die Bahnhofsvorsteher jeden Morgen um 9 Uhr getroffen, um die Uhren abzugleichen. Legenden besagen, dass man sich anschließend untergehakt habe und ein Bier trinken gegangen sei. Heinker will das allerdings nicht so recht glauben - denn zwei Beamte, die morgen um 9 Uhr Uhr schonen einen heben und das vor Zeugen sei doch eher unwahrscheinlich.
Fakt ist hingegen, dass der Leipziger Hauptbahnhof ist mit über 83.000 Quadratmetern Gesamtfläche der flächenmäßig größte Kopfbahnhof Europas. 2021 wurde er sogar als „schönster Bahnhof Europas“ ausgezeichnet und verbindet auf 300 Metern Fassadenlänge historische Architektur mit einem modernen, dreistöckigen Einkaufszentrum. Besonders die prunkvollen, denkmalgeschützten Warte- und Speisesäle sind sehenswert. Und Geschichtsfans kommen auf den Gleisen 23/24 auf ihre Kosten. Dort kann man historische Dampfloks bewundern.
