Görlitzer Siemens-Turbinenbauer trommeln zum Kampf - erneut Demo vor dem Werktor
Görlitzer Siemens-Turbinenbauer haben erneut lautstark gegen die geplante Werksschließung protestiert. 600 Mitarbeiter zogen heute Mittag vor das Betriebstor. Sie trommelten und pfiffen eine halbe Stunde lang für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Am Vormittag hatte ein Siemens-Manager die Beschäftigten offiziell über das Aus für den Standort informiert. Siemens-Manager aus der Zentrale in München hatten sich nicht nach Görlitz getraut. Der Chef der Kraftwerkssparte wurde per Videokonferenz zugeschaltet. Während der Übertragung kam es immer wieder zu tumultartigen Szenen. Buhrufe und Trillerpfeifen ertönten. Die Turbinen-Produktion in Görlitz soll ins Ausland verlagert werden, sagte uns Betriebsratsvorsitzender Christian Hainke nach der Versammlung. Das wollen die Görlitzer mit aller Macht verhindern. Das Motto steht: „Görlitz wehrt sich – der Kampf hat begonnen“. In Görlitz stehen rund 900 Arbeitsplätze auf dem Spiel – und mindestens noch einmal so viel von Zulieferern und Servicefirmen. Mit Trommeln und Trillerpfeifen protestierten gestern Abend Görlitzer Siemens-Turbinenbauer gegen die Schließung des Standortes. Rund 200 Beschäftigte zogen vor das Werktor. Mitarbeiter rollten Metalltonnen auf die Einfahrt und trommelten mit Schraubenschlüsseln im Takt. Görlitzer Bürger kamen spontan zum Werk, um sich mit den Beschäftigten solidarisch zu zeigen. Autofahrer zeigten mit Hupen ihre Verbundenheit mit den Turbinenbauern. In vielen Fenstern standen brennende Kerzen.Gestern Nachmittag hatte Siemens in München verkündet, dass der Standort in Görlitz geschlossen wird. Damit verlieren rund 900 Menschen ihre Arbeitsplätze. Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall wollen das nicht hinnehmen. Sie kündigten massive Gegenwehr an. Der Görlitzer Landrat Bernd Lange erklärte: Die Region habe es einfach nicht verdient, die überwiegende Last des Siemens-Stellenabbaus zu tragen. Siemens Görlitz sei mit dem Industriedampfturbinenbau Weltmarktführer. Das Werk arbeite effizient und rentabel. Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege bezeichnete die Entscheidung als Katastrophe – auch für den Mittelstand in der Region, für die Zulieferer, für den Handel und viele weitere Bereiche. Diesem geplanten Ausverkauf werde Görlitz nicht kampflos zuschauen. Mit Schließungen im Osten wähle Siemens den „billigsten Weg, den Weg des geringsten Widerstands“. Die Wirtschaftslobby der Region sei einfach zu schwach.
Sachsens scheidender Ministerpräsident Stanislaw Tillich reagierte empört: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für diese Entscheidungen, die jegliche regionale Verantwortung eines großen deutschen Konzerns vermissen lassen. Wir wollen jetzt mit Siemens über Alternativen reden, um den guten Mitarbeitern eine Perspektive zu geben und das industrietechnische Know-how in Sachsen zu erhalten“, sagt Tillich.