• Symbolbild. Foto: Pixabay

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"Ich komme wieder, Herr Polizist"

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Wenn nach einem mit Haftbefehl gefahndet wird, dann gibt es dafür einen triftigen Grund. Wenn der oder die Gesuchte in eine Kontrolle gerät, dürfte klar sein: Er oder sie marschiert ins Gefängnis. Wenn es um eine offene Geldstrafe geht, kann er oder sie den Aufenthalt in Staatspension bei sofortiger Zahlung des Betrages abwenden. Was aber, wenn gleich 14 offene Haftbefehle vorliegen?

Verwandte springt ein

Es war am helllichten Tag in dieser Woche, als eine gemeinsame Streife von Polizei und Ordnungsamt an der James-von-Moltke-Straße in Görlitz eine Frau kontrollierte. „Den Ausweis, bitte!“ Abfrage im Fahndungssystem. Treffer! Die 34-jährige Polin wurde mit 14 Haftbefehlen gesucht. Ins Gefängnis musste sie aber nicht. "Die Frau hatte diverse Ordnungswidrigkeiten begangen, aber dafür nicht bezahlt", so Polizeisprecher Kai Siebenäuger. Fast 500 Euro waren offen. Eine Verwandte sprang ein, sie beglich die Forderungen. "Damit konnte die Gesuchte die Erzwingshaft abwenden."

Österreicher auf "Gratis"-Tour durch die Oberlausitz

Ortswechsel. Ein Österreicher ließ es sich in dieser Woche im Zittauer Gebirge gut gehen. Er zechte am Mittag in einem Wirtshaus in Hainewalde, ohne zu bezahlen. Zuvor hatte er im Automatenraum der Sparkasse in Niederoderwitz übernachtet. Am Nachmittag stieg er in den Zug nach Dresden. Einen Fahrschein hatte er nicht. Die Schaffnerin rief die Polizei. Ermittlungen wurden aufgenommen. Dann konnte der 47-Jährige gehen. Am Abend versuchte er sein Glück in einer Spielothek. Auch dort prellte er die Zeche. Eine Polizeistreife nahm den Fall auf, ließ den Österreicher wieder frei. Er sei bisher nicht mehr polizeilich in Erscheinung, heißt es im Polizeibericht. Oder anders gesagt: Er hat sich nicht wieder erwischen lassen.

Papiere in den Müll geworfen - zur Hochzeit nach Berlin

Zurück nach Görlitz. Eine Zollstreife kontrollierte – ebenfalls in dieser Woche – einen gerade aus Polen eingereisten Fahrgast. Fahndungsabfrage – und Treffer. Der 38-Jährige durfte sich nicht auf deutschem Boden aufhalten. Er hatte 19 Straftaten begangen. Gegen ihn wurde ein Einreiseverbot verhängt. Doch das scherte ihn nicht. Nachdem der Pole erst einen Tag zuvor aus dem Gefängnis entlassen und in seine Heimat abgeschoben worden war, tauchte er wieder in Deutschland auf.

In der Vernehmung in der Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf gestand er freimütig, dass er seine Papiere in Polen in den Müll geworfen habe. "Er sagte uns, dass er nach Berlin wiollte, um dort zu heiraten", so Inspektionssprecher Michael Engler. Die Braut wird nun aber etwas warten müssen. Der Pole wurde gestern im beschleunigten Verfahren zu fünf Monaten Haft verurteilt. Ob er nach seiner Entlassung die entsprechenden Lehren ziehen wird, ist zu bezweifeln. Von seinem Vernehmer verabschiedete er sich mit den Worten: "Ich komme wieder, Herr Polizist".