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IS-Mädchen aus Pulsnitz - Fall für die Bundesan­waltschaft

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Die Bundes­an­walt­schaft hat die Ermitt­lungen im Fall der im Irak gefassten mutma­ß­li­chen Dschi­ha­distin aus Sachsen übernommen. Ermit­telt werde zudem gegen drei weitere weibliche Beschul­digte wegen des Tatvor­wurfs der Mitglied­schaft in einer terro­ris­ti­schen Verei­ni­gung, sagte ein Sprecher der Karls­ruher Behörde am Montag­abend. Die Schülerin Linda aus Pulsnitz in Sachsen war nach bishe­rigen Erkennt­nissen am 1. Juli vergan­genen Jahres aus ihrem Heimatort Richtung Türkei verschwunden. Sie hatte zuvor im Internet Kontakt zu Islamisten aufge­nommen und sich zuneh­mend radika­li­siert. Einem Journa­listen sagte sie nach ihrer Festnahme, sie bereue, sich der Terror­miliz Islami­scher Staat (IS) angeschlossen zu haben.Dem Auswär­tigen Amt zufolge sitzt die 16-Jährige zusammen mit mindes­tens einer weiteren Deutschen im Irak in Haft. Iraki­sche Sicher­heits­kräfte hatten angegeben, in den Tagen nach der Befreiung der Stadt Mossul vom IS 20 auslän­di­sche Dschi­ha­dis­tinnen festge­nommen zu haben. Das Nachrich­ten­ma­gazin „Spiegel“ hatte berichtet, dass darunter vier deutsche Frauen seien.Die Staats­an­walt­schaft in Dresden hatte zuvor am Montag mitge­teilt, dass Ermitt­lungen gegen das Mädchen wieder aufge­nommen wurden. Ihr werde vorge­worfen, Bezie­hungen zur Begehung einer schweren staats­ge­fähr­denden Gewalttat aufge­nommen zu haben. Die Ankla­ge­be­hörde hatte die Ermitt­lungen erst vor wenigen Wochen einge­stellt, da es bis dahin keine Kenntnis vom Aufent­haltsort der Jugend­li­chen gab.Eine Sprecherin des Auswär­tigen Amtes sagte, die zwei deutschen Frauen seien am 20. Juli von Angehö­rigen der Botschaft in Bagdad besucht worden. Zwei weitere inhaf­tierte Frauen, mögli­cher­weise ebenfalls Deutsche, sollten am Montag besucht werden. Dabei sollte auch ihre Staats­an­ge­hö­rig­keit geklärt werden.Zur Frage einer mögli­chen Auslie­fe­rung der Inhaf­tierten nach Deutsch­land sagte eine Sprecherin des Justiz­mi­nis­te­riums am Montag, mit den iraki­schen Behörden werde „über Möglich­keiten der Zusam­men­ar­beit“ gespro­chen. Ein Auslie­fe­rungs­ab­kommen mit dem Irak gebe es aber nicht. Nach der Festnahme des IS-Mädchens aus Pulsnitz ist in ihrer Heimat­stadt eine Diskus­sion entbrannt. Zentrale Frage: Sollte die 16-Jährige so wie andere Mitglieder der Terror-Miliz bestraft werden? Oder sollte Gnade vor Recht ergehen? Die Meinungen gehen ausein­ander - die einen verlangen eine harte Bestra­fung, andere halten eine Therapie und anschlie­ßende Integra­tion in den deutschen Alltag für angemessen.

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Stimmen von Pulsnitzer Einwoh­nern