- Wenn man es weiß, dann sieht man die Kanonenkugel doch!
- Wenn man nicht genau hinsieht, dann ist sie kaum zu erkennen.
Kanonenkugel am Alten Rathaus: Das steckt hinter dem ungewöhnlichen Detail
Wer regelmäßig über den Leipziger Markt läuft, kennt das Alte Rathaus. Doch ein kleines Detail in der Fassade übersehen viele: Dort steckt eine Kanonenkugel – als Erinnerung an die Völkerschlacht.
Eingeschlagen ist die Kugel am 19. Oktober 1813. Einen Tag zuvor war die entscheidende Schlacht der Völkerschlacht geschlagen worden. Am 19. Oktober zogen schließlich die alliierten Truppen, die gegen Napoleon kämpften, in Leipzig ein. Auch der Markt wurde dabei zum Schauplatz der Kämpfe.
Eine besondere Rolle spielte damals das Königreich Sachsen. König Friedrich August I. war Verbündeter Napoleons. Nach dessen Niederlage wurde der sächsische König festgenommen. Als Folge der engen Verbindung zu Napoleon musste Sachsen später rund die Hälfte seines Staatsgebiets abgeben.
Die heute sichtbare Kanonenkugel ist allerdings nicht mehr das ursprüngliche Geschoss. Im Jahr 1909 wurde sie im Zuge von Arbeiten am Alten Rathaus bewusst neu angebracht und eingelötet – als dauerhaftes Erinnerungszeichen an die Ereignisse der Völkerschlacht. Auch die historische Rathausuhr wurde damals neu bemalt.
Wer genau hinschaut, entdeckt solche Spuren der Geschichte an mehreren Orten in Leipzig. So erinnern beispielsweise auch Kanonenkugeln in der Russenstraße in Probstheida oder Exponate im Stadtgeschichtlichen Forum an die „Tage der Gefahr“ während der Völkerschlacht.
Die Kanonenkugel am Alten Rathaus ist damit weit mehr als ein unscheinbares Detail in der Fassade – sie ist ein sichtbares Stück Leipziger Geschichte, an dem viele Tag für Tag vorbeigehen, ohne es zu bemerken.
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