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Katholikentag stellt sich auf die Seite der Flüchtlinge

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Mit einem klaren Bekenntnis zur Aufnahme von Flücht­lingen ist der 100. Katho­li­kentag in Leipzig zu Ende gegangen. „Wenn jemand an unsere Grenze kommt, dann muss er mensch­lich behan­delt werden. Dann muss er ein faires Verfahren bekommen“, sagte der Vorsit­zende der Deutschen Bischofs­kon­fe­renz, Kardinal Reinhard Marx, am Sonntag beim Abschluss­got­tes­dienst. Es müsse klar sein, dass Menschen nicht in Krieg und Verfol­gung zurück­ge­schickt würden. Der Münchner Erzbi­schof erhielt viel Beifall von den rund 20 000 Gottes­dienst­be­su­chern auf dem Augus­tus­platz. Ähnlich äußerte sich der Präsi­dent des Zentral­ko­mi­tees der deutschen Katho­liken (ZdK), Thomas Stern­berg. „Wir wollen Fremde nicht als Bedro­hung, sondern als Berei­che­rung erleben“, sagte er. „Wir wollen den Dialog, auch mit den Muslimen. So wollen wir Fremd­heit in Vertraut­heit verwan­deln.“ Das Flücht­lings­thema war ein Schwer­punkt des fünftä­gigen Chris­ten­tref­fens. Rund 40 000 Teilnehmer kamen nach Leipzig, 10 000 weniger als vor zwei Jahren in Regens­burg.Das ZdK als Veran­stalter zog eine positive Bilanz des Katho­li­ken­tages in der Diaspora. In Leipzig sind nur 4,3 Prozent der 570 000 Einwohner katho­lisch. „Wir sind hier außer­or­dent­lich offenen, toleranten und inter­es­sierten Mitbür­gern begegnet“, sagte Stern­berg. Es habe sich gezeigt, dass es sich lohne, Menschen neugierig auf die Kirche zu machen. Die eigens ins Programm genom­menen Diskus­si­ons­an­ge­bote für Konfes­si­ons­lose seien gut angenommen worden. Ein Dauer­thema auf dem Katho­li­kentag war auch die AfD - obwohl oder gerade weil sie von den Veran­stal­tern nicht einge­laden worden war. ZdK-Präsi­dent Stern­berg hatte die Entschei­dung vielfach vertei­digt. Am Sonntag wandte sich Stern­berg, ohne die AfD zu nennen, erneut gegen „alle, die nicht Ängste nehmen, sondern sie schüren, die Misstrauen säen und ganze Gruppen oder Religionen herab­wür­digen“. Kardinal Marx ermutigte alle Katho­liken und Christen, sich in die Politik einzu­mi­schen. „Wir wollen als Kirche nicht den Staat ersetzen“, sagte er. Es gelte aber, die Prinzi­pien des Evange­liums in die Gesell­schaft hinein­zu­tragen, die Menschen in den Mittel­punkt zu stellen und nach Lösungen im Sinne der Menschen zu suchen. ZdK-Präsi­dent Stern­berg ging beim Gottes­dienst auch auf die Debatte um inner­kirch­liche Reformen ein und unter­strich, dass das Zentral­ko­mitee als Laien­gre­mium die rasche Zulas­sung von Frauen für das in den Kirchen­ge­meinden wichtige Diako­nenamt wünscht. Die Besucher quittierten das mit starkem Beifall, einige gestal­teten mit Trans­pa­renten die Forde­rung „Frauen­dia­konat jetzt!“. Viele Besucher des Katho­li­ken­tages zogen ein positives Fazit. „Es war eine tolle Stimmung, es gab viele inter­es­sante Begeg­nungen“, sagte Daniela Schramm aus der Diözese Würzburg. Begeis­tert war auch Steven Thoma. Der Sport­lehrer kommt aus dem Irak und lebt seit vier Jahren in Leipzig. „Ich dachte, es gibt nicht viele Christen hier. Und dann so ein großes Fest. Es war super.“ Der nächste Katho­li­kentag wird 2018 im westfä­li­schen Münster veran­staltet. Im kommenden Jahr gibt es einen evange­li­schen Kirchentag in Berlin und Witten­berg, bei dem das 500. Refor­ma­ti­ons­ju­bi­läum im Mittel­punkt steht.