Leipziger Firmenchef: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen!“
Letzte Woche war Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit einer Wirtschaftsdelegation da. Ihm hat er seine Probleme auch geschildert. Doch viel mehr sei bisher nicht dabei rausgekommen. Jens Bochnig, Geschäftsführer der Firma Heizung- Sanitärbau Leipzig (über 120 Mitarbeiter) fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.
„Wir bilden jedes Jahr viele Lehrlinge und Studenten aus, bekommen dafür im Handwerk aber keine Unterstützung oder Förderungen“, ärgert sich Bochnig. Teilweise würden die ausgebildeten Facharbeiter dann auch noch von anderen Firmen abgeworben, die gar keine Lehrlinge ausbilden. „Das ist für uns nicht ganz einfach mit der Finanzierung.“
Außerdem würden sich immer mehr junge Leute für ein Studium statt für eine Ausbildung entscheiden. „Dort sind sie bei Mutti und Vati versichert, währenddessen unsere Lehrlinge von Anfang an ihre Krankenkasse mit bezahlen und somit quasi ihre Ausbildung mit erwirtschaften müssen.“
Er fordert deshalb eine Art Topf, in den alle Betriebe einzahlen und aus dem dann die Azubis finanziert werden könnten. „Sodass alle ein gewisses Interesse daran hätten, auch auszubilden.“ Oder man führe wie bei Sportvereinen eine Art Ablöse ein, die an die Ausbildungsfirma gezahlt wird, wenn ein Lehrling nach seiner Ausbildung von woanders abgeworben wird.
Bochnig ärgert sich auch darüber, dass er für den über 6 Millionen Euro teuren Bau seiner neuen Firmenzentrale genauso Null Unterstützung bekommen habe. „Andere, größere Firmen können eine andere Lobbyarbeit leisten und dort werden dann riesige Investitionssummen getätigt. Das Handwerk dagegen als Hauptsteuerzahler in Deutschland bekommt nichts.“
Und Stichwort Bürokratie. Man mache schon gar nicht mehr bei öffentlichen Ausschreibungen mit, weil es dafür einen viel zu hohen Aufwand benötige. „Auch da hoffen wir auf bessere Unterstützung“, so Bochnig. Immerhin habe sich der Ministerpräsident seinen Unmut letzte Woche angehört, mitgenommen und Verbesserungen bzw. Unterstützung zugesagt.