++ EIL ++
  • Unter anderem dieses Waldstück soll für den Bau einer riesigen Photovoltaik-Anlage abgeholzt werden.
  • Dieses idyllische Plätzchen samt Waldstück soll plattgemacht werden.
  • Die ehemalige Deponie in Leipzig Seehausen. Der gesamte Wald ringsherum, insgesamt knapp 9 Hektar, sollen einfach abgeholzt werden.
  • In dem betroffenen Waldstück wächst unter anderem das seltene und gefährdete Purpurknabenkraut.

Leipziger Rathaus will 9 Hektar Wald für Bau von riesiger Solaranlage roden

Zuletzt aktualisiert:

Was für ein Irrsinn: Für mehr Sonnen-Strom werden in Leipzig demnächst vielleicht knapp neun Hektar Wald gerodet. Und zwar am Rand der alten Mülldeponie In Seehausen. Die meisten Bäume hier seien knapp 20 Jahre alt, wie uns Anwohnerin Jeanette Hirsekorn sagte. Verrückt: Die große kahle Fläche auf dem Gelände soll aber frei bleiben. Denn diese sei wohl durch den alten Müll zu verseucht. Hirsekorn hat gegen die Rodung eine Petition im Leipziger Stadtrat eingebracht. 

Unnötige Zerstörung verhindern

Das Ungewöhnliche dabei: Hirsekorn ist gar nicht grundsätzlich gegen Solaranlagen! Denn sie arbeite selbst in der Photovoltaik-Branche. „Gerade wegen meiner Tätigkeit ist mir bekannt, dass es genügend versiegelte Flächen in und um Leipzig gibt, die für solche Anlagen genutzt werden könnten.“ Denn auf dem vorgesehenen Gelände hätten sich Wildbienen, Echsen und seltene Vogelarten angesiedelt. Außerdem widerspreche es auch dem Ziel der Stadt, jährlich 1000 neue Bäume zu pflanzen. Letztes Jahr waren es gerade mal 550. Und jetzt sollen auch noch hunderte Bäume gefällt werden. „Was is'n das für ein Widerspruch bitte?“

Breiterer Widerstand formiert sich

Auch der Naturschutzbund (NABU), der Seehausener Ortschaftsrat und der Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann stellen sich gegen das Bauvorhaben, wie Hirsekorn weiter erzählt. Die Diskussion um den Bau läuft schon ein paar Jahre und hat auch ein entsprechendes mediales Echo gefunden. Trotzdem soll nächstes Jahr gebaut werden. Hirsekorn hofft, dass viele weitere Bürger eine „Einwohneranfrage“ bei der Stadt stellen. Dadurch könne vielleicht doch noch etwas bewegt bzw. das Vorhaben verhindert werden.

Wald ist nicht gleich Wald?

SPD-Stadtrat Andreas Geisler sagt dagegen: „Es ist kein Wald, es hat keinen Waldstatus und es ist und bleibt eine ehemalige Deponie, welche noch mindestens 30-40 Jahren im Deponie- und Abfallrecht als technische Anlage unter Betreuung verbleibt. Und das was dort von weiten wie ein toller lebendiger Wald aussieht, ist eher eine Notanpflanzung, um die geringe Überdeckung der Planen mit Erde auf der Deponie nicht wegspülen zu lassen.“ Dort werde auch „kein Wald entstehen und keine vitalen Bäume, dafür gibt es zu wenig Mutterboden.“ Letztlich kann man sich natürlich wohl alles irgendwie schönreden ...