Darum schreibt diese Leipzigerin Songs für verstorbene Menschen
Persönliche Lieder für die letzte Reise
Nadine Maria Schmidt aus Leipzig hat einen ungewöhnlichen Beruf, der zugleich auch berührend ist: Sie ist Liedermacherin für Sterbende und Trauernde. Unter dem Namen „Dein musikalisches Denkmal“ schreibt sie ganz persönliche Lieder, die das Leben eines Menschen einfangen – bevor oder nachdem er gegangen ist. Ihr Ziel: Erinnerungen bewahren, Gefühle ausdrücken, einen würdevollen Abschied gestalten.
Wie entsteht ein sogenanntes „musikalisches Denkmal“?
Die Arbeit beginnt mit Gesprächen. Nadine besucht Hospiz-Gäste oder Angehörige, stellt Fragen, hört zu, entwickelt gemeinsam mit ihnen einen Liedtext. Jeder bekommt Raum: „Wenn jemand etwas sagen möchte – im Lied, an den Menschen oder an die Familie – dann bekommt das Platz in einer Strophe.“
Manche spielen Instrumente, manche bringen Zitate oder Trauersprüche ein. Nadine macht daraus ein Lied – professionell aufgenommen, oft mit Raum für Bilder und Erinnerungen auf ihrer Webseite.
Vom Schicksal zur Musik
Schon lange verwandelt Nadine berührende Geschichten in Musik – intuitiv. Als sie einmal ein Lied für ein verstorbenes Kind schrieb und dieses bei der Beerdigung spielte, wusste sie: „Das ist mein Weg“.Heute arbeitet sie im Leipziger Diakonie-Hospiz an einem EU-geförderten Projekt. Dort schreibt sie mit Sterbenden und ihren Familien. Oft sei das Lied ein gemeinsamer, tröstlicher Prozess.
Zwischen Trauer und Dankbarkeit
„Im Sterben liegt unglaublich viel Leben und Liebe“, sagt Nadine. Sie begleitet Menschen oft bis zum letzten Atemzug. Ihre Arbeit geht unter die Haut – doch sie trägt sie mit einem gesunden Verhältnis zum Tod. Vielleicht, weil sie selbst damit natürlich aufgewachsen ist. „Ich habe keine Angst vor meinem eigenen Tod“, erzählt sie.
Ein Beruf mit Zukunft?
Nadine möchte ein neues Berufsbild etablieren: die „sterbe- und trauerbegleitende Liedermacherin“. Sie arbeitet gerade an einem Curriculum für eine Weiterbildung. Denn sie ist überzeugt: Musik kann helfen, Abschied zu nehmen – ehrlich, kreativ und liebevoll.
Fazit: Ein Lied, das bleibt
Was bleibt, ist nicht nur ein Lied. Es ist die Erinnerung, die gemeinsam erschaffen wurde. „Es geht nicht nur um das fertige Lied“, sagt Nadine, „sondern um den Weg dorthin.“ Und dieser Weg, das spürt man sofort, ist voller Menschlichkeit, Würde und Trost.