Mutmaßlicher Islamist steht vor dem Oberlandesgericht Dresden
Erstmals muss sich hier in Sachsen ein mutmaßlicher Islamist aus dem Ausland vor Gericht verantworten. Der Syrer steht vor dem Oberlandesgericht in Dresden wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Der 25-Jährige hatte sich selbst bei den Behörden gemeldet und war im Februar diesen Jahres in Chemnitz festgenommen worden. Er soll in Syrien gegen die Regierungstruppen gekämpft und Journalisten mit entführt haben. Laut Anklage war er Kämpfer der al-Nusra-Front. Diese gilt als Ableger des islamistischen Terrornetzwerkes Al Qaida. Die Anklage stützt sich ausschließlich auf die Angaben des jungen Mannes, der keinen Beruf hat und sich in psychischer Behandlung befindet. Demnach wurde er in einem Lager in der Region Idlib im Nordwesten des Landes als Kämpfer ausgebildet und für die Bewachung und den Kampf eingesetzt. Zudem soll er an der Entführung von drei Journalisten beteiligt gewesen sein. Dafür aber haben die Ermittler bisher keine Bestätigung bekommen. Die Generalstaatsanwaltschaft setzt daher auf Islamwissenschaftler Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Der Sachverständige erstellt auch ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Aussagen des Angeklagten. Der hatte angegeben, dass er sich nach dem Sommer 2014 von den Zielen der Al-Nusra-Front distanzierte, dann in die Türkei und über die Balkanroute nach Deutschland flüchtete. In Chemnitz meldete er sich bei der Polizei und erzählte von seiner Terror-Vergangenheit. Er kam drei Mal - bis zur Festnahme.Zum Prozessauftakt schwieg der Mann. Verhandelt wurde in dem Hochsicherheitssaal, der für das Terror-Verfahren gegen die rechtsextremistische „Gruppe Freital“ auf dem Gelände einer künftigen Erstaufnahmeeinrichtung eingerichtet wurde. Es gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Das öffentliche Interesse war gering, nach gut einer Stunde war der erste Verhandlungstag zu Ende. Der Prozess wird am 15. September fortgesetzt. (mit dpa)