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Nach Al-Bakr-Pannen: Sachsen bekommt Terrorismus-Abwehrzentrum

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Innen­mi­nister Markus Ulbig will nach den Pannen im Fall des terror­ver­däch­tigen Al-Bakr ein neues Anti-Terror­zen­trum in Sachsen schaffen. Das kündigte Ulbig am Mittwoch­vor­mittag in einer Regie­rungs­er­klä­rung im Landtag in Dresden an. Das Opera­tive Abwehr­zen­trum in Leipzig soll zum polizei­li­chen Terro­rismus- und Extre­mismus-Abwehr­zen­trum (PTAZ) ausge­baut werden. Das PTAZ soll mit 250 Mitar­bei­tern ausge­stattet werden. Bisher war das OAZ für links- und rechts­ex­tre­mis­ti­sche Straf­taten zuständig. Zudem soll in Schnee­berg ein Schulungs­zen­trum für Anti-Terror­ein­sätze entstehen. Außerdem wollen die Sicher­heits­be­hörden ihre Aufklä­rung im Internet ausbauen. Perso­nelle Konse­quenzen waren in Ulbigs Regie­rungs­er­klä­rung kein Thema. Ulbig steht in der Kritik, weil der LKA-Stabs­leiter des Al-Bakr-Einsatzes zum neuen Dresdner Kripo-Chef beför­dert wurde. Diese Perso­nal­ent­schei­dung werde derzeit überprüft, teilte ein Sprecher des Innen­mi­nis­te­riums am Dienstag auf unsere Anfrage mit. Ulbig selbst äußerte sich in seiner Regie­rungs­er­klä­rung am Mittwoch dazu nicht. Al-Bakr war wegen Kommu­ni­ka­ti­ons­pro­blemen zwischen SEK, MEK und Verfas­sungs­schutz bei der geplanten Festnahme in Chemnitz entkommen. Lands­leute überwäl­tigten ihn später in Leipzig.Justiz will Konse­quenzen ziehenAuch die sächsi­sche Justiz will Konse­quenzen ziehen. Wie Justiz­mi­nister Gemkow in seiner Regie­rungs­er­klä­rung sagte, werde die neu gegründet Stabs­stelle Justiz­vollzug die Maßnahmen aus dem Al-Bakr-Bericht umsetzen.  Zudem sollen Dolmet­scher in häufigsten Sprachen und weitere Psycho­logen schnell verfügbar sein. Die Ausbil­dungs­ka­pa­zität im allge­meinen Vollzugs­dienst soll auf 60 Plätze pro Jahr erhöht werden. Geplant sind auch Fortbil­dungs­maß­nahmen für Bediens­tete im Justiz­vollzug und ein Handlungs­leit­faden. Auch die sächsi­sche Justiz stand in der Kritik, da sich Al Bakr in der JVA Leipzig das Leben nahm.Linke: "Mehr Glück als Verstand und Können"Enrico Stange von der Linken kriti­sierte im Fall Al-Bakr die Behörden: "Wir hatten mehr Glück als Verstand und Können." Die Syrer, die Al-Bakr in ihrer Wohnung festsetzen, hätten Zivil­cou­rage bewiesen. Stange fordert den Rücktritt von Innen­mi­nister Ulbig.CDU: "Kultur der gemein­samen Verant­wort­lich­keit" Der CDU-Abgeord­nete Sören Voigt begrüßte die Bünde­lung von Kompe­tenzen im OAZ. Auch er dankte den Syrern, die Al-Bakr in Leipzig festhielten. Defizite im Landes­kri­mi­nalamt müsste behoben werden. Fahndungs­auf­rufe müssten umgehend mehrspra­chig veröf­fent­licht werden. Auch dies erfolgte im Fall Al-Bakr erst mit deutli­cher Verzö­ge­rungen. Die gewonnen Erkennt­nisse aus dem Fall müssen im Polizei­ge­setz berück­sich­tigt werden, hieß es. Voigt stimmte der Aussage von Unter­su­chungs­kom­mis­si­ons­leiter Landazu zu, dass man zu einer "Kultur der gemein­samen Verant­wort­lich­keit" kommen müsse. Sein Partei­kol­legen Martin Modschiedler sprach sich zudem für eine Video­über­wa­chung in Haftzellen in Einzel­fällen aus.SPD: Bundes­be­hörden hätten früher Fall übernehmen müssenDer SPD-Abgeord­nete und ehema­lige Polizist Albrecht Pallas bekräf­tige diese Aussage. Aller­dings hätten General­bun­des­an­walt­schaft und BKA den Fall frühzeitig übernehmen müssen, sagte Pallas. Das sächsi­sche LKA sei unzurei­chend ausge­stattet für solche Lagen. Zudem bekräf­tige Pallas die Aussagen des Unter­su­chungs­be­richtes, der von einer mangelnden Fehler­kultur spricht. "Fehler kommen vor, das ist normal. Entschei­dend ist, dass sie angespro­chen werden", sagte Pallas.AfD: "Fehler mit Ansage"Carsten Hütter von der AfD bemän­gelte, es seien Fehler mit Ansage passiert. Diese würden aus Fehlern der Bundes­re­gie­rung resul­tieren. Es müssten nicht nur Symptome, sondern Ursachen bekämpft werden, so Hütter. Grüne: "Sensi­bi­lität einer Kreis­säge"Valentin Lippmann von den Grünen sprach beim Al-Bakr-Einsatz von "Führungs­ver­sagen", "Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­sagen" und "Koope­ra­ti­ons­ver­sagen". Es geht nicht um indivi­du­elle Fehler, sondern um politi­sche Verant­wor­tung, sagte Lippmann. Diese trage Innen­mi­nister Markus Ulbig. Das Innen­mi­nis­te­rium habe mit der Beför­de­rung des Einsatz­lei­ters zum Dresdner Kripo­chef die "Sensi­bi­lität einer Kreis­säge" bewiesen, so Lippmann. Die Grünen­ab­ge­ord­nete Katja Meier kriti­sierte Vorschläge, Hafträume mit Video­technik zu überwa­chen.

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