Neues Abkommen für deutsch-tschechischen Einsatz an der Grenze
Deutsche und tschechische Polizisten erhalten neue Möglichkeiten zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität. Am Samstag tritt ein neues Polizeiabkommen zwischen beiden Ländern in Kraft. Es löst nach mehr als 14 Jahren einen längst veralteten Vertrag aus der Zeit vor dem tschechischen EU- und Schengenbeitritt ab. „Die Straftäter nutzen die Möglichkeiten der offenen Grenzen, und die Polizei kann jetzt mit dem neuen Vertragswerk entsprechend darauf reagieren“, sagt Josef Eckl, Leiter des Gemeinsamen Polizeizentrums Petrovice-Schwandorf.Eckl spricht von einem „Meilenstein“ - speziell bei der Crystalbekämpfung. Die gefährliche Synthetikdroge drängt massiv auf den deutschen Markt, vor allem über die sächsische Grenze. Als wichtige Neuerung gilt daher, dass die Polizeien nun auch bei Ordnungswidrigkeiten kooperieren - als solche wertet Tschechien den Konsum geringer Mengen Crystals. Die Droge ist bei weitem nicht die einzige Sorge: „Genauso ein Thema sind die Einbruchskriminalität, sonstige Straftaten, Betrugsfälle, Schmuggel von Diebesgut, von entwendeten Fahrzeugen und so weiter.“Auf gemeinsamen Streifen sind deutsche und tschechische Kollegen künftig gleichwertige Partner, jeweils mit hoheitlichen Rechte. „Es gibt mehr Rechtssicherheit für vieles, was jetzt schon geübte Praxis ist“, meint Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU). Dies gelte insbesondere für die gemeinsamen Polizeistreifen und grenzüberschreitende Verfolgungen. „Bislang haben wir da - ich will nicht sagen in einem Graubereich -, aber in einem Grenzbereich gearbeitet. Und jetzt sind wir in der Lage, handlungssicher eine Strafverfolgung aufzunehmen.“Als Grenzgebiet gelten künftig ganz Sachsen, Bayern und Tschechien. In der Praxis bedeutet das: Polizisten können sich in diesem Bereich ohne den bisherigen Umweg über die Zentrale in Prag und das Bundeskriminalamt direkt austauschen. Damit wächst auch die Bedeutung des Gemeinsamen Polizeizentrums Petrovice, wo Kollegen aus beiden Staaten Anfragen weitergeben und Einsätze koordinieren. Der Zoll ist laut Ulbig gleichberechtigt in das Abkommen eingezogen. „Das hat gerade bei dem Thema "Betäubungsmittel/Crystal-Bekämpfung" eine ganz maßgebliche Bedeutung.“ 103-mal gingen im ersten Halbjahr 2016 nach Angaben des Innenministeriums sächsische und tschechische Polizisten gemeinsam auf Streife. Auch im Erzgebirge sei das jahrelang eingeübt - etwa in Aue, sagt Rafael Scholz von der Polizeidirektion Chemnitz. „In aller Regel sind dabei die zuständigen Bürgerpolizisten des Polizeireviers Aue eingebunden.“ Viele der tschechischen Kollegen würden Deutsch sprechen; zugleich lernten deutsche Polizisten Tschechisch. „Die Zusammenarbeit bei relevanten Vorkommnissen funktioniert aber auch jetzt schon gut.“ (DPA)