Prozess gegen Pegida-Chef Bachmann gestartet
Pegida-Chef Lutz Bachmann steht seit Dienstagvormittag wegen Volksverhetzung vor dem Dresdner Amtsgericht. Der 43-Jährige soll im September 2014 Asylbewerber auf einer Facebook-Seite als "Gelumpe", "Viehzeug" und "Dreckspack" bezeichnet haben. Das Interesse an dem Verfahren ist groß. Dutzende Journalisten haben sich angemeldet, darunter auch ein russischer Fernsehsender. Etwa 40 Journalisten und 60 Zuschauer verfolgten den Prozessauftakt.Bachmann mit Zensur-Brille und Zahnbürste im GerichtAls Lutz Bachmann mit seiner Frau Vicky den Saal betrat, wurde im Gericht applaudiert. Bachmann trug eine "Zensur-Balken-Brille". Diese nahm er ab, als der Richter erschien. Auf Facebook hatte Bachmann im Vorfeld des Prozesses erklärt, dass man sich "etwas Witziges einfallen lassen will, damit die Presse keine vernünftigen Bilder bekommt". Als Zeichen des Widerstands hatte Bachmann zudem eine Zahnbürste in der Brusttasche seiner Jeansjacke, die während der Verhandlung über seiner Stuhllehne hing. Die Idee stammt von Pegida-Wortführerin Tatjana Festerling: um stets für den Fall einer überraschenden Festnahme gewappnet zu sein.Bachmann macht keine AngabenBachmann machte zunächst keine Angaben, auch nicht zu seiner Person.Zum Auftakt des Prozesses ging es um eine Pressemitteilung von Pegida, zudem wurde ein Video von der Demonstration am 9. Februar gezeigt. Dort hatte sich Bachmann nach seinem kurzzeitigen Rückzug bei Pegida zu den Vorgängen geäußert und ausgeführt, dass es sich um Formulierungen vom Stammtisch handelt, die jeder schoneinmal genutzt habe.Verteidigung will mehrere Zeugen hörenDie Verteidigung Bachmanns will u.a. einen Reporter der Dresdner Morgenpost als Zeugen hören, der das Facebook-Posting an die Staatsanwaltschaft herangetragen hatte. Auch ein Gutachter soll gehört werden, da die Verteidigung die Formulierungen nicht für Volksverhetzung hält. Zudem solle ein Facebook-Mitarbeiter befragt werden, da nicht geklärt sei, ob Bachmann selbst den Kommentar veröffentlicht habe.Facebook-Seite abgeschaltet?Die öffentliche Facebook-Seite von Lutz Bachmann war seit Dienstagmittag nicht mehr erreichbar. Der Grund war zunächst unklar. Allerdings ging es im Prozess auch um die Frage, ob die Kommentare ("Dreckspack", "Gelumpe") öffentlich oder privat gepostet wurden.Zwei Zweugen am ersten Prozesstag gehörtAm frühen Dienstagnachmittag wurde der erste Prozesstag nach der Befragung von zwei Zeugen beendet. Große Erkenntnissgewinne gab es zum Auftakt nicht. Eine zentrale Frage war, ob die Kommentare öffentlich oder privat gepostet wurden, ob sie überhaupt von Bachmann erstellt wurden und ob sie öffentlich sichtbar waren. Das würde auch erklären, warum die Facebook-Seite Bachmanns seit Dienstagvormittag nicht mehr erreichbar ist.Demonstrationen vor dem GerichtRund um das Gebäude gab es bereits am Morgen mehrere Demonstrationen von Bachmann- Unterstützern und Gegnern. Gepida und die Satire-Partei "Die Partei" hatten sich versammelt, forderten "Knast für Bachmann". Pegida-Anhänger forderten dagegen Freispruch.Prozess-Zuschauer wurden intensiv kontrolliert. Mobiltelefone, Computer und große Taschen sind im Gerichtssaal nicht erlaubt. Auch dürfen vom Verfahren keine Nachrichten per Mail, Twitter oder Facebook gesendet werden.Fortsetzung am 3. MaiDer Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt, am 3. Mai ist der nächste Verhandlungstermin am Dresdner Amtsgericht angesetzt.