Reisebus aus Sachsen auf der A9 verunglückt
+++ Hotline für Angehörige: 0800/7766350 +++Bei dem Reisebusunfall auf der Autobahn 9 in Oberfranken sind 18 Menschen ums Leben gekommen. 30 der 48 Insassen seien verletzt worden - einige von ihnen schwer, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit.Reisegruppe stammte überwiegend aus Sachsen - Stopp in DresdenNach unseren Informationen kamen die Reisenden aus mehreren Regionen in Sachsen, vier Reisende kamen aus Brandenburg. Aus der Oberlausitz kommend, machte der Bus am Dresdner Hauptbahnhof Station. Er war unterwegs in Richtung Verona, teilte uns der Reiseveranstalter auf Anfrage mit. Nach unseren Recherchen handelt es sich um einen Reiseunternehmen aus Löbau, dort wurde am Mittag die Passagierliste von der Polizei sichergestellt. Man habe keine weiteren Informationen von der Polizei erhalten, teilte der Chef des Unternehmens mit. Er sei in Gedanken bei den Passagieren und Busfahrern, sagte Busunternehmer Hartmut Reimann. Sein Bus war um 0:30 Uhr in Löbau gestartet. Auch in Weißwasser, Spremberg und Dresden stiegen Passagiere zu. Die Reisegruppe wollte nach Verona in Italien. Die Insassen sind zwischen 41 und 81 Jahre alt. Bei den Todesopfern gehe man von Insassen zwischen 66 und 81 Jahren aus, teilte eine Polizeisprecherin am Mittag mit.Das Fahrzeug sei drei Jahre alt gewesen und zuletzt im April ohne Beanstandungen vom TÜV geprüft worden, teilten der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) und der Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes (LSV) am Montag mit. Er sei vorschriftsmäßig mit zwei Fahrern unterwegs gewesen. Der Kollege, der zum Zeitpunkt des Aufpralls am Steuer saß und umkam, war demnach seit mehr als zehn Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt und 2013 für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren ausgezeichnet worden. Er hatte zuletzt im November 2016 ein Fahrsicherheitstraining gemacht.Zahl der Opfer aus Sachsen noch unklarWie viele Sachsen unter den Opfern sind, ist wegen der Schwere des Unfalls bisher noch unklar, teilte das sächsische Innenministerium mit. Zudem waren auch Reisende aus anderen Bundesländern im Bus. "Der Nachricht von dem schrecklichen Busunfall einer überwiegend sächsischen Reisegruppe in Bayern mit Toten und Verletzten macht mich tief betroffen. Ich möchte den Angehörigen, Freunden und Bekannten der Opfer mein tiefes Mitgefühl sowie meine Anteilnahme ausprechen. Den Verletzten wünsche ich baldige und volle Genesung", sagte Sachsens Innenstaatssekretär Dr. Michael Wilhelm.In dem verunglückten Reisebus befanden sich nach jetzigem Kenntnisstand auch vier Fahrgäste aus Brandenburg. Das erklärte das Innenministerium in Brandenburg in Potsdam. Demnach waren am frühen Morgen acht Personen in Senftenberg (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) zugestiegen, darunter vier Brandenburger und vier Sachsen.Führungsstab in Dresden eingerichtet"Wir haben bei der Polizeidirektion Dresden einen Führungsstab eingerichtet. Dieser unterstützt die Bayerische Polizei bei der Identifizierung der Opfer. Zudem wird dort die Information sowie die seelsorgerische Betreuung der Angehörigen in Sachsen koordiniert", sagte der sächsische Innenstaatssekretär Michael Wilhelm. Auch das Kriseninterventionsteam des DRK Sachsen sei voralarmiert worden, um Angehörige zu betreuen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Schwerpunkt sei der Landkreis Görlitz.Reisende stiegen am Dresdner Hauptbahnhof zuDer Bus hatte Fahrgäste am Dresdner Hauptbahnhof aufgenommen, teilte die Stadt Dresden mit. Oberbürgermeister Dirk Hilbert hat den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl ausgesprochen: "Meine Gedanken und mein tiefes Mitgefühl sind bei jenen, die so plötzlich aus dem Leben gerissen worden sind, bei ihren Angehörigen und den vielen, zum Teil lebensbedrohlich Verletzten.„ Den Rettungskräften am Unfallort und in den umliegenden Kliniken dankte Hilbert für ihren professionellen Einsatz: “Ich bin den Besatzungen der Rettungswagen und Rettungshubschrauber, den Einsatzkräften der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerkes und der Polizei Oberfranken sehr dankbar für ihre schnelle und professionelle Hilfe. Möge es den Ärzten und Pflegekräften gelingen, das Leben der Verletzten zu retten.„ Bus fuhr bei Stau in LKWDer Bus sei kurz nach 7:00 Uhr nahe Münchberg bei sich stauendem Verkehr auf einen Sattelzug aufgefahren und vollständig ausgebrannt, teilte die Polizei mit. Bilder zeigen nur noch ein verkohltes Wrack. In dem Bus waren 46 Fahrgäste und zwei Fahrer. Ein Fahrer ist unter den Todesopfern, teilte die Polizei mit. Der zweite Fahrer wurde verletzt.UrsachenforschungMit Blick auf den neuen Unfall sagte ein Experte, dass auch eine automatische Löscheinrichtung die Katastrophe kaum hätte verhindern können. Diese lösche im Motorraum, eventuell auch im Gepäckraum und in der Toilette, dürfe aber nicht im Innenraum löschen, sagte Johannes Hübner vom RDA Internationalen Bustouristik Verband in Köln. Die chemischen Löschmittel könnten Passagiere sonst beeinträchtigen.Ein Experte des TÜV Rheinland nannte zudem eine abgerissene Kraftstoffleitung als mögliche Ursache. Dadurch könne Kraftstoff auf heiße Fahrzeugteile gelangen und das Ganze anfangen, zu brennen. Dobrint: Probleme mit Rettungsgasse und GaffernBundesverkehrsminister Alexander Dobrint sagte, dass es an der Unfallstelle Probleme mit der Bildung der Rettungsgasse und Gaffern gab. Er appellierte daran, dies zu unterlassen. Dies stehe unter Strafe. Auch Bayerns Innenminister Herrmann sprach von unvernünftigem Verhalten im Rückstau. "Bei jedem Stau ist sofort die Rettungsgasse zu bilden, so dass ein LKW (der Feuerwehr) durchfahren kann."Rund 200 Einsatzkräfte der Rettungsdienste, Feuerwehren, des Technischen HHilfswerks und der Polizei waren vor Ort. Außerdem waren mehrere Rettungshubschrauber im Einsatz. Sie kreisten auch am Vormittag noch über der Unfallstelle zwischen der Anschlussstelle Münchberg-Süd und Gefrees. Es bildeten sich lange Rückstaus. Das Polizeipräsidium Oberfranken rief die Bevölkerung über den Kurznachrichtendienst Twitter dazu auf, die Unfallstelle möglichst weiträumig zu umfahren. “In Richtung Süden bitte bereits über die A72 und A93 abfahren„, hieß es beispielsweise. Ministerpräsident Tillich drückt Anteilnahme ausSachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich teilte schriftlich mit: "Mit großer Betroffenheit habe ich den schrecklichen Unfall einer sächsischen Reisegesellschaft aufgenommen. Ich bin sehr traurig und drücke meine tiefe Anteilnahme gegenüber den Familien und Freunden der Opfer aus. Den Verletzten wünsche ich schnelle und vollständige Genesung. Allen Rettungskräften, unseren bayerischen Freunden, danke ich ganz herzlich für ihren schwierigen Einsatz und wünsche ihnen viel Kraft. Ich werde das Geschehen weiter verfolgen und bin in Gedanken bei allen Betroffenen und Beteiligten."Auch die Bundesregierung hat ihr tiefes Mitgefühl für die Opfer des Busunfalls in Oberfranken geäußert. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montagvormittag in Berlin, Kanzlerin Angela Merkel habe "davon mit großer Bestürzung erfahren. Unsere Anteilnahme gilt den Opfern und ihren Angehörigen, und sie gilt auch den Verletzten." Merkels Dank gehe "an alle Rettungskräfte, Ärzte, Sanitäter, Seelsorger, die im Einsatz waren und sind, um Verletzte zu bergen, um Menschen zu betreuen in einer entsetzlichen Situation."Am Vormittag ist eine zentrale Telefonnummer für besorgte Angehörige eingerichtet worden. Unter der Rufnummer 0800/7766350 können sie sich an die Gemeinsame Auskunfts- und Vermisstenstelle wenden, teilte die Polizei mit. Auch Zeugen können sich unter dieser Nummer melden. In der Münchberger Senke auf der A9 war es bereits vor 27 Jahren bei Nebel zu einem schweren Unfall mit 100 Fahrzeugen gekommen - 10 Menschen starben damals. Auf der A4 kam es 2014 bei Dresden zu einem schweren Busunglück mit 11 Todesopfern.Hotline für Angehörige: 0800/7766350 (as/ie/ mit dpa)
#BuBraMüb Bei dem verunglückten Bus handelt es sich um eine Reisegruppe aus #Sachsen. Telefonnummer für Angehörige: 0800/7766350
— Polizei Oberfranken (@PolizeiOFR) 3. Juli 2017
EIL!! A9 - FR Süden komplett gesperrt- EIL!! Unfall zw. Münchberg Süd und Gefrees. Reisebus ist in Vollbrand. Wird länger dauern. #BuBraMübpic.twitter.com/fmjkoWnQ5c
— Polizei Oberfranken (@PolizeiOFR) 3. Juli 2017
