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Nur eine Frau in 192 Jahren: Zoff um Leipzigs Ehrenbürger!

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Gleichberechtigung - nein, danke? Seit 1832 wurden 90 Leipziger zu Ehrenbürgern ernannt. Darunter allerdings nur eine einzige Frau! Letztes Jahr wurden wieder 24 vorgeschlagen - und verschmäht. Darum gibt's jetzt Knatsch!

2022 wurde erstmals eine Leipzigerin Ehrenbürger. Channa Gildoni, eine damals 98-jährige, die nach Israel ausgewandert war - sie starb letztes Jahr mit 99. Doch sie ist natürlich bei weitem nicht die einzige Frau, die sich in den letzten 200 Jahren um das Wohl der sächsischen Metropole verdient gemacht hat.

Deshalb hat der Verein Frauenkultur der Stadt letztes Jahr 24 verdiente Damen präsentiert, die für die Auszeichnung infrage kämen. Darunter auch die stadtbekannte Gabi Edler alias Tante E, die Mutter Theresa von Leipzig, die sich seit Jahrzehnten um Straßenkinder kümmert. Doch selbst sie ist dem Leipziger Stadtrat, der darüber entscheidet, offenbar nicht gut genug!

Vereinschefin Christine Rietzke ärgert sich sehr darüber: „Das ist eigentlich gar nicht zu fassen.“ Es sei eine Abstimmung, die im Ältestenrat zusammen mit dem Oberbürgermeister falle. „Und dort sind im Moment nur Männer. Leipzig hat die Charta für Gleichstellung unterschrieben schon vor vielen Jahren, aber hier hakt's irgendwie total.“ Man wolle darauf aufmerksam machen, weil es so nicht weitergehen könne.

Deshalb wird am Donnerstagabend im Kulturzentrum Frauenkultur an der Windscheidstraße eine Ausstellung über die 24 vorgeschlagenen Frauen eröffnet, die die Auszeichnung verdient hätten. So wie die 80-jährige Gabi Endler. Sie sagt: „In Leipzig gibt es keine Gleichberechtigung. Hier wollen immer die Männer alles bestimmen!“ Sie habe schon die „Goldene Henne“ und unzählige andere Auszeichnungen bekommen. „Doch von Ehrenbürger habe ich noch nie etwas etwas gehört. Ich begreife das alles sowieso nicht mit der Stadt. Ich kriege keinen müden Euro und mache das alles mit den Kindern schon seit 34 Jahren ...“

Die Stadt verweist auf Nachfrage auf den Stadtrat, der Ehrenbürger nach Vorschlägen der Verwaltung mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit wählen könne. Angeblich habe man den Räten derzeit wieder einige Frauen vorgeschlagen: „Ob diese dann im Stadtrat die erforderliche Mehrheit erhalten, bleibt abzuwarten.“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

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