- Zwei von vier sind noch übrig: Leipzigs alte Gasspeicher aus der Vogelperspektive.
Sie klingen wie Serienmörder: Wer waren die Leipziger Gasriecher?
Leipzig gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Das städtische Gasleitungsnetz wächst rasant und überall wird gebaut. Doch tief unter dem Pflaster lauerte eine unsichtbare Gefahr.
Wenn Rohre durch Schäden undicht wurden, drohten nicht nur enorme wirtschaftliche Verluste, sondern auch tödliches Kohlenmonoxid und gewaltige Explosionen. Die Lösung der Stadt war ein Beruf, der heute fast zu bizarr klingt, um wahr zu sein.
Pssst, der Gasriecher kommt!
Zugegeben: Wenn man nachts durch eine dunkle, neblige Gasse läuft und jemand flüstert „Pass auf, gleich kommt der Gasriecher!“, dann klingt das schon fast nach einem Serienmörder. Ein düsterer Geselle, der seine Opfer erschnüffelt? Weit gefehlt! Mit kriminellen Machenschaften hatte dieser Job rein gar nichts zu tun.
Der Gasriecher war im Grunde ein städtischer Kontrolleur mit einer sehr speziellen Methode. Ausgestattet mit einem kleinen Handkarren, einer Spitzhacke und dem genauen Plan des Leitungsnetzes, ging er seiner Arbeit nach. Markku Weber, Gästeführer im Gasometer Leipzig, hat uns das Vorgehen so beschrieben: „Dort hat er dann Pflastersteine aus dem Straßenbelag genommen, hohle Stäbe ins Erdreich eingedreht und dann über so einen Riechtrichter nach dem Gas gerochen.“
Um Lecks in der Gasleitung aufzuspüren, platzierte der Gasriecher bis zu 50 dieser Stäbe entlang der Leitung im Boden. Durch das Riechen an den verschiedenen Stäben konnte er vergleichen, ob an einer bestimmten Stelle der beigemischte Warn-Geruch des eigentlich geruchlosen Stadtgases austrat. Wurde er fündig, rückte umgehend ein Bautrupp an, um die Straße zu öffnen und das Rohr zu reparieren.
Eine sehr gefährliche Aufgabe
Da das ständige Einatmen von austretenden Gasen für die Arbeiter „nicht besonders gesundheitsförderlich“ war, hatte der Beruf jedoch ein absehbares Ende. In den 1960er Jahren wurden die menschlichen Gasriecher schließlich abgelöst. Ihren Job übernahmen von da an speziell in Polizeihundeschulen ausgebildete Gas-Riechhunde. Die Vierbeiner konnten die Gasaustritte mit ihren feinen Nasen weitaus sicherer feststellen, als die menschlichen Gasriecher.
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