Siemens streicht 6900 Jobs - auch Standorte in Sachsen vor dem Aus
Die Ankündigung des Elektrokonzerns Siemens, seine Werke in Görlitz und Leipzig schließen zu wollen, hat in Sachsen Empörung ausgelöst. „Ich habe überhaupt kein Verständnis für diese Entscheidungen, die jegliche regionale Verantwortung eines großen deutschen Konzerns vermissen lassen“, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Donnerstag. Die Regierung werde sich gegen die Pläne zur Wehr setzen.Unmittelbar zuvor hatte der Elektrokonzern bekannt gegeben, die beiden Werke in Sachsen schließen zu wollen. Allein am Görlitzer Standort arbeiten nach früheren Angaben eines Siemens-Sprechers rund 800 Menschen. Am Donnerstag sprach Siemens von rund 920 Arbeitsplätzen, die in beiden Werken wegfallen werden - die Zahl der tatsächlich betroffenen Menschen liegt aber wohl höher. In Leipzig stellt Siemens unter anderem Turbokompressoren her, in Görlitz Turbinen.Wann tatsächlich mit der Schließung der Werke zu rechnen ist, wollte ein Siemens-Sprecher zunächst nicht sagen. „Von einem Tag auf den anderen geht das nicht“, sagte er. Zuerst müssten Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern geführt werden. Weltweit will der Elektrokonzern in der Kraftwerks- und in der Antriebssparte 6900 Arbeitsplätze abbauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland.Die Gewerkschaft IG Metall kündigte an, die Pläne nicht hinnehmen zu wollen. Man werde „alles dafür tun“, dass der Standort Görlitz erhalten bleibe, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostsachsen, Jan Otto.Für den 23. November sei eine Demonstration in Berlin mit 300 Mitarbeitern des Turbinenwerks geplant. In Leipzig hatten am Donnerstag schon vor Bekanntwerden der Kürzungspläne 300 Mitarbeiter für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes demonstriert, wie die Gewerkschaft mitteilte.Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sagte Unterstützung zu. „Das kann nicht das letzte Wort sein“, sagte er. „Nun kommt es auf die Stimmen im Aufsichtsrat an. Die Staatsregierung steht an der Seite der Arbeitnehmervertreter und der IG Metall im Aufsichtsrat, die einem solchen Konzept eine Abfuhr erteilen müssen.“Außer den Werken in Sachsen steht noch der Siemens-Standort im hessischen Offenbach mit rund 700 Beschäftigten vor dem Aus. Für ein Werk in Erfurt prüft Siemens zudem mehrere Optionen, darunter auch einen Verkauf. Die Maßnahmen sollten möglichst sozialverträglich gestaltet werden, hieß es bei Siemens.Schon seit längerem wird der Elektrokonzern in der Kraftwerkssparte mit weltweit rund 46 800 Beschäftigten vor allem seine großen Gasturbinen in Deutschland und Europa nicht mehr los. Das sorgt für Preisverfall und Überkapazitäten. Das Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe mit zuletzt rund 44 800 Mitarbeitern weltweit bietet etwa Getriebe, Motoren, Antriebe und Kupplungen für die Öl-, Gas- und Bergbauindustrie und ist damit auch stark von Rohstoffpreisen abhängig. In beiden Sparten hatte Konzernchef Joe Kaeser bereits Jobs gekappt.Bereits vor Bekanntgabe der Kürzungspläne hatte die Siemens-Führung auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Die IG Metall sieht darin einen Bruch der bei Siemens geltenden Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung und hatte deshalb massiven Widerstand gegen die Pläne angekündigt. (DPA)