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Silvesternacht in Connewitz: Polizeieinsatz soll aufgearbeitet werden

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Die Attacken auf Polizisten in der Silvesternacht in Connewitz sind von vielen verurteilt worden. Gleichzeitig steht auch das Vorgehen der Polizei im Fokus. Der Polizeieinsatz solle aufgearbeitet werden, das kündigte Sachsens Innenminister Roland Wöller am Freitag an.

Zuvor hatte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat eine Überprüfung des Polizeieinsatzes gefordert. Es müsse geklärt werden, ob die Einsatztaktik angemessen war, hat sie in einem Interview den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt. Dafür gab es Kritik, u.a. aus der eigenen Partei. Der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel schlug auf Twitter vor, angesichts der massiven Silvestergewalt besser über die Gewalttäter zu reden. In der Silvesternacht wurde nach Angaben der Polizei ein 38 Jahre alter Beamter bei einem Angriff schwer verletzt. Die Ermittler vermuten Linksextremisten dahinter.

Keine Not-Op bei attackiertem Polizisten

Kritik gibt es unterdessen auch an den Angaben der Polizei über den Zustand des attackierten Beamten. In Krankenhauskreisen habe man sich verwundert über Polizeimeldung einer Notoperation geäußert, hat die „taz“ berichtet. In einer ersten Polizeimeldung an Neujar war davon die Rede, dass ein Beamter so schwer verletzt wurde, „dass er das Bewusstsein verlor und im Krankenhaus notoperiert werden musste“. Vorwürfe über falsche Polizeimeldungen hat Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar allerdings am Freitag entschieden zurückgewiesen. In seinem Statement sprach er von einer Behandlung am Ohr. Der 38-jährige Beamte sei inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Unterdessen hat einem Medienbericht zufolge ein Polizeisprecher eingeräumt, dass es sich bei dem ärztlichen Eingriff nicht um eine Notoperation im engeren Sinne gehandelt habe. Die Polizei müsse sich den „Schuh anziehen, dass es sicherlich besser gewesen wäre von einer operativen Maßnahme zu sprechen statt von Not-OP“, so Polizeisprecher Andreas Loepki. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte Loepki am Freitagnachmittag, dass eine Not-OP „im engeren Sinne“ nicht vorlag. Der Eingriff sei aber dringlich erforderlich gewesen. Das sei eine Not-OP im weiteren Sinne.

Videomaterial wird ausgewertet

Zweifel gab es zunächst auch daran, ob dem Polizeibeamten tatsächlich der Helm vom Kopf gerissen wurde. Kretzschmar gab an, dass die Polizisten zu Beginn des Einsatzes ohne Helme unterwegs waren – und zwar um zu verhindern, dass die Lage eskaliere. Zu Einzelheiten im Ablauf der Tat wollte der Landespolizeipräsident keine Angaben machen. Es werde derzeit Videomaterial zusammengefasst und ausgewertet. Auch Zeugenaussagen der Beamten müssten noch eingeholt werden, so Kretzschmar.

Die Staatsanwaltschaft bekräftigte indes den von der Polizei geschilderten Tatablauf. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen sei dem Schwerverletzten sowie zwei seiner Kollegen der Helm vom Kopf gerissen worden, sagte Ricardo Schulz von der Staatsanwaltschaft.

In seinem Statement hat Kretzschmar noch einmal unterstrichen, dass er den Auslöser des Konflikts in den Handlungen der mutmaßlichen Täter sieht. Nicht die Polizei, sondern die Würfe von Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern und der angezündete und als Polizeiauto bemalte Einkaufswagen habe zur Eskalation geführt, so Kretzschmar.