Solarworld insolvent - 1200 Mitarbeiter in Sachsen bangen um Jobs
Die Nachricht kam überraschend - wenn auch nicht ganz unerwartet: Der Solartechnik-Hersteller Solarworld hat am Donnerstag einen Insolvenzantrag gestellt. Bundesweit sind mehr als 3000 Stellen betroffen, in Freiberg bangen rund 1200 Mitarbeiter um ihre Jobs. Dort wurde der Betriebsrat kalt erwischt. „Wir sind alle mit der Situation ein Stück weit überfordert“, sagte Betriebsratschefin Anke Martin-Heede am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.Wann es eine Belegschaftsversammlung gebe, sei aber noch unklar. Der Insolvenzantrag wurde für die Konzernmutter Solarworld AG eingereicht. Für die Tochtergesellschaften - dazu zählt auch das Werk in Freiberg - wird die jeweilige Insolvenzantragspflicht noch geprüft. „Und solange uns keine genauen Informationen dazu vorliegen, informieren wir die Belegschaft nicht“, so Martin-Heede.Sobald der Insolvenzantrag für die Töchter vorliege, könne man auch Näheres über die Zukunft sagen. Für die Belegschaft sei die Nachricht ein Schock. „Es gibt viele Fragen.“ Man sei bisher davon ausgegangen, dass Solarworld mit dem angestrebten Sparkurs und der Restrukturierung eine Überlebenschance habe. Nach Angaben der Freiberger Solarworld-Sprecherin Susanne Herrmann wurde am Donnerstag versucht, nach dem Motto „same procedure as every day“ zu agieren.Nach Unternehmensangaben steht im sächsischen Freiberg die größte Fabrik Europas für Solarwafer. Darüber hinaus hat Solarworld auch in Arnstadt (Thüringen) ein Werk. Die Zentrale befindet sich in Bonn. Bereits im März hatte das Unternehmen angekündigt, 300 Stellen in Deutschland zu streichen - vor allem in Freiberg. Solarworld hatte am Mittwochabend eingeräumt, keine Zukunft für das überschuldete Unternehmen mehr zu sehen und einen Insolvenzantrag angekündigt. Als Hauptgrund gilt der Preisverfall für Solarmodule.Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sprach von einem harten Schlag: „Es ist bitter für die Beschäftigten, bitter für die Region, bitter für die Branche.“ Noch wisse man aber zu wenig, um Aussagen über die Zukunft treffen zu können. „Wir müssen schauen, was der Insolvenzverwalter plant, davon müssen wir alles weitere abhängig machen.“ Der Minister hatte am Donnerstag seine Termine verschoben und sich in Freiberg mit dem Betriebsrat, dem Landrat sowie mit Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) getroffen.Krüger will um den Erhalt des Solartechnik-Herstellers kämpfen. „Wir werden gemeinsam mit allen Beteiligten das Möglichste tun, um den Standort vielleicht in Teilbereichen zu erhalten“, betonte er. In der Bergstadt gibt es insgesamt rund 20 500 Arbeitsplätze. „Wenn davon 1200 bedroht sind, ist das schon eine Größenordnung.“ Auf der anderen Seite verfüge Freiberg über eine robuste Wirtschaftskraft. „Das nährt bei mir die Hoffnung, dass möglichst viele Solarworld-Beschäftigte eine Anschlussbeschäftigung finden können.“ Dennoch mache die Ungewissheit den Menschen derzeit zu schaffen, viele Familien in der Stadt seien betroffen.Die Linken forderten die Staatsregierung auf, „alle Möglichkeiten und Finanzierungsinstrumente“ für einen Erhalt zu nutzen - und kündigten einen Dringlichen Antrag im Landtag an. Die Regierung müsse sich zudem für ein tragfähiges Fortführungskonzept einsetzen, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Nico Brünler. Die Grünen kritisierten zudem, dass das Wirtschaftsministerium in den vergangenen Monaten wenig getan habe, um auf die sich seit Jahren abzeichnende Katastrophe zu reagieren. Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow forderte den Freistaat auf eine „ganz oder teilweise“ Rückzahlung der an Solarworld gezahlten Fördermittel zu prüfen. (DPA)