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Sparen an Hochschulen im Freistaat

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Die Sparvor­gaben für Sachsens Hochschulen treffen die Einrich­tungen mit extrem unter­schied­li­cher Härte. Während die TU Dresden gar keine Stellen strei­chen und die Leipziger Univer­sität ganze Insti­tute schließen muss, kürzt die TU Chemnitz ausschlie­ß­lich beim nicht­wis­sen­schaft­li­chen Personal. Die TU Bergaka­demie in Freiberg setzt den Rotstift ausge­wogen an - nicht jedoch bei Profes­soren. Das ergab eine Umfrage der Nachrich­ten­agentur dpa. Landes­weit sollen 1042 Stellen bis 2020 wegfallen - so hat es der sächsi­sche Landtag im Jahr 2010 beschlossen. Inzwi­schen haben die Hochschulen entschieden, wo gekürzt wird. Bis Ende Januar mussten sie dies dem Wissen­schafts­mi­nis­te­rium mitteilen. Die Leipziger Uni muss drei Jahre lang je 24 Stellen sparen und gibt tradi­ti­ons­reiche Insti­tute auf. Neben der Pharmazie sollen die Theater­wis­sen­schaften und die Archäo­logie aus Leipzig verschwinden. Die Theater-Szene reagierte darauf mit einer Protest­welle, der Deutsche Archäo­lo­gen­ver­band hat eine Internet-Petition gegen die Pläne gestartet. Bislang kamen knapp 8000 Unter­schriften zusammen. „Die Proteste sind nachvoll­ziehbar“, sagte Uni-Sprecher Carsten Heckmann. „Uns ist bewusst, dass es ein schmerz­hafter Prozess ist. Unter den gegebenen Rahmen­be­din­gungen müssen wir aber komplette Einheiten schließen.“ Die politi­schen Vorgaben würden den Entschei­dungs­spiel­raum beträcht­lich einengen. Und betriebs­be­dingte Kündi­gungen wolle man unbedingt vermeiden. Abwenden ließe sich dieser drama­ti­sche Schnitt nur in Dresden, meinen die Leipziger. Die Frage sei, ob der Landtags­be­schluss von 2010 nicht revidiert werden könne. Die Prognosen, die ihm zugrunde lagen, seien längst überholt. So sei die Studen­ten­zahl in Sachsen um 40 Prozent höher als damals prognos­ti­ziert. Die TU Chemnitz muss in diesem und im kommendem Jahr je 14 Stellen einsparen. „An den Fakul­täten wird nicht in die Bereiche einge­griffen, wo Lehre und Forschung in Gefahr geraten“, sagte TU-Sprecher Mario Steine­bach. Für 2014 und 2015 werde ausschlie­ß­lich beim nicht­wis­sen­schaft­li­chen Personal gekürzt. Die TU Bergaka­demie in Freiberg muss bis Ende 2015 insge­samt 19 Stellen strei­chen. Profes­so­ren­stellen seien nicht dabei, sagte Sprecherin Madlen Domaschke. „Bei uns ist es zum Glück auch nicht so drastisch wie in Leipzig. Wir müssen keine Lehrstühle und Insti­tute schließen.“ Ob in der Verwal­tung oder an den Fakul­täten - der Stellen­abbau sei ausge­wogen und es sei niemand beson­ders stark betroffen. Bei weiteren Stellen­kür­zungen könne dann aber die Qualität an der Bergaka­demie nicht mehr gewähr­leistet werden. Domaschke: „Mit Ach und Krach können wir jetzt noch das Profil aufrecht­er­halten.“ Die „Exzel­lenz-Uni“ TU Dresden und das Inter­na­tio­nale Hochschul­in­stitut Zittau müssen den Rotstift derzeit nicht ansetzen. Bis 2015 sind auch alle Kunst- und Musik­hoch­schulen von Stellen­kür­zungen ausge­nommen. Der finan­zi­elle Durch­schnitts­wert, der sich hinter einer Stelle verbirgt, beträgt nach Angaben des Wissen­schafts­mi­nis­te­riums derzeit 61 000 Euro.