- Auf dem anvisierten Gelände ist in den letzten Jahrzehnten mitten in Leipzig ein Wald gewachsen (Symbolbild).
Stadt will Wald abholzen lassen, damit RB wachsen kann - Umweltbürgermeister findet das gut
Es soll DIE Lösung für das Problem am Cottaweg sein: Die Stadt Leipzig will ein knapp 6 Hektar (57.000 qm) großes Waldstück westlich der Kleinmesse abholzen lassen, damit RB Leipzig sein Gelände erweitern und die Kleinmesse erhalten werden kann. Der Vorschlag dürfte für Diskussionen sorgen, der Stadtrat soll noch vor dem Sommer darüber abstimmen.
Wald weg, damit RB-Sportler besser trainieren können
Insgesamt 27 Standorte seien untersucht worden, heißt es aus dem Rathaus. Die jetzt vorgestellte Lösung soll die beste sein, weil das Gelände bereits der Stadt gehört und keine Extra-Kosten für Kauf oder Erschließung anfallen würden. „Durch den Verkauf der Fläche an RB Leipzig wird die jahrelange Suche nach einem geeigneten Ersatzstandort für die Kleinmesse in Leipzig beendet, welche nun am Cottaweg verbleiben kann“, so ein Stadtsprecher.
Und weiter: „Ein ensprechendes Mandat zum Start des Verhandlungsverfahrens zwischen der Stadt und RB wurde durch den Oberbürgermeister jetzt beschlossen und wird dem Stadtrat vor der Sommerpause zur Entscheidung vorgelegt.“
Wald war früher Kleingarten
Das entsprechende Waldstück sei früher als Kleingarten-Anlage genutzt worden. In den 90ern wurde das Gelände jedoch aufgegeben und seitdem ist dort ein Wald gewachsen. Dass dieser jetzt verschwinden soll, dürfte Natur- und Klimaschützern wenig gefallen. Vor allem auch, weil das angrenzende Areal ein Vogelschutzgebiet ist und deshalb besonders geschützt sei, wie die Stadt selbst einräumt.
„Bei der Entwicklung der Fläche sollen möglichst viele Bäume erhalten werden“, heißt es. Und : „Für die Entwicklung zu einem erweiterten Traningsgelände für RB Leipzig wird die Stadt Kompensionsflächen identifizieren.“ Mit dieser Vorgehensweise sei „die Entwicklung des Bundesligisten auf diesem Gebiet wirtschaftlich, ökologisch und stadtplanerisch die sinnvollste Möglichkeit.“
Seltsam: Umweltbürgermeister wirbt auch dafür
Keine Überaschung ist, dass Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU) sich für diese Lösung stark macht. Man habe Alternativen gründlich geprüft, sagt er. „Mit diesem Vorschlag schaffen wir einen Ausgleich aller beteiligten Interessen.“ Es könne eine „pragmatische und wirtschaftlich überzeugende Lösung für alle Beteiligten sein“.
Auch Sport-, Ordnungs- und Umweltbürgermeister Heiko Rosental (Linke) findet es offenbar gut, dass der Wald für RB weichen muss: „Auch wenn für diese Lösung die Rodung eines Gehölzbestandes entlang der Capastraße notwendig wird, bin ich fest davon überzeugt, dass insgesamt damit ein großer Gewinn für die Stadt und den Sport in Leipzig einhergeht.“ Ein zusätzlicher „Pluspunklt“ sei, dass damit die Kleinmesse am Cottaweg bleiben könne.
Ein seltsamer Lösungsvorschlag in Zeiten von Klimawandel und Temperaturanstieg, wo eigentlich jeder Baum zählen sollte …
Kritik vom Ökolöwe
Der Leipziger Umweltbund Ökolöwe hat die Pläne am Mittwochvormittag kritisiert. „Wir lehnen die geplante Waldrodung durch RB Leipzig entschieden ab.“ Das betroffene Waldstück liege „mitten im Biotopverbund Leipziger Auwald und nimmt dort eine ökologisch einzigartige Rolle ein.“ Es sei die letzte Verbindungsstelle zwischen nördlichem und südlichem Auwald. „Pflanzen und Tiere sind auf diesen Verbindungskorridor angewiesen, um sich auszubreiten, genetisch auszutauschen und auf den Klimawandel zu reagieren.“
Die geplante Rodung würde diese Verbindung unwiderruflich kappen, heißt es. „Wer jetzt zulässt, dass dieser Wald verschwindet, gefährdet die Natur im Leipziger Auwald“, so Ökolöwen-Sprecherin Bozena Nawka. Man fordere Oberbürgermeister Burkhard Jung deshalb dazu auf, die Beschlussanlage zurückzuziehen. „Sollte die Vorlage dennoch zur Abstimmung kommen, appelliert der Ökolöwe an alle Stadtratsfraktionen, ihr nicht zuzustimmen.“
