Tillich schmeißt nach Wahlschlappe hin - Kretschmer soll nachfolgen
Sachsens Union ist vom angekündigten Rücktritt ihres Parteichefs und Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich völlig überrascht worden. „Wir waren natürlich alle erstmal geschockt und sprachlos“, erklärte CDU-Fraktionschef Frank Kupfer. Tillich habe aber Größe gezeigt und Verantwortung übernommen. Nach den Worten von Kupfer hat Tillich nicht einfach nur das Handtuch geworfen: „Er hat den Übergang so gestaltet, dass auch die Partei eine Perspektive hat.“ Tillichs Wunschnachfolger Michael Kretschmer sei ein „hervorragender Politiker“ und noch jung an Jahren. Er stehe damit für die Zukunft der CDU.Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière zollte Tillich Respekt, hinterfragte in einem Punkt aber auch seinen Schritt. „Meines Erachtens wäre das nicht nötig gewesen. Es hätte auch einen Weg gegeben mit einer großen Kabinettsumbildung unter seiner Führung, einen neuen Anfang zu machen. Er hat anders entschieden. Diese Entscheidung verdient allergrößten Respekt.“ Kretschmer sei der geeignete Nachfolger: „Er hat großes rednerisches Talent, er hat Charisma, er stammt von hier. Es ist ein echter Generationswechsel.“Auch Landtagspräsident Matthias Rößler bezeichnete eine Nachfolge mit Kretschmer als „sichtbaren Ausdruck eines Generationswechsels in der sächsischen CDU: “Und er ist einer von uns„, sagte Rößler mit Blick auf die Herkunft Kretschmers, der aus Görlitz stammt. “Die nächsten zwei Jahre werden für die sächsische Union hart. Aber ich denke, wir werden unseren Weg weitergehen.„ Es gehe um Glaubwürdigkeit und Problemlösungen.Linke-Chef Rico Gebhardt zollte Tillich zwar Respekt. Er warf ihm zugleich aber vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Tillichs Entscheidung sei die Fortsetzung seiner bisherigen Politik, “wenn es kritisch wird, abzutauchen„. Der von ihm vorgeschlagene Nachfolger steht nicht für einen Neuanfang in Sachsen: “Herr Kretschmer ist als CDU-Generalsekretär Wasserträger des Systems Tillich und steht für den Kampf um den puren Machterhalt der CDU, weshalb er gerade bei der Bundestagswahl von der Wählerschaft seines Wahlkreises "abgestraft" worden ist.„ Kretschmer hatte zur Wahl sein Direktmandat an einen AfD-Politiker im Landkreis Görlitz verloren.Die AfD-Fraktion im Landtag nannte Tillichs Entscheidung konsequent und riet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich an ihm “ein Beispiel zu nehmen„. Kretschmer sei aber alles andere als ein Neuanfang, sagte Fraktions-Vize Jörg Urban.Der Rücktritt Tillichs sei die “einzig richtige und logische Reaktion auf die verfehlte Politik der vergangenen Jahre„, erklärte Grünen-Fraktionschef Volkmar Zschocke: “Sein verantwortungsloser Rechtskurs hat die AfD gestärkt, aber kein einziges Problem im Land gelöst.„ Ob der designierte Nachfolger Michael Kretschmer der richtige Mann für einen Kurswechsel sei, dürfe bezweifelt werden: “Kretschmer steht für den Rechtskurs der CDU, mit dem er selbst und seine Partei bei der Bundestagswahl gescheitert ist.„“Michael Kretschmer als Nachfolger vorzuschlagen, ist überraschend und sehr irritierend. Der Vorschlag zeigt, dass die sächsische CDU ihr Gespür für Land und Leute verloren hat. Offenbar arbeitet sie an ihrem Ende als Volkspartei„, kommentierte FDP-Chef Holger Zastrow. (DPA)