Vergewaltigungsprozess in Bautzen - Angeklagter soll Frau Medikament verabreicht haben
Vor dem Landgericht in Bautzen hat am Morgen der Prozess gegen einen Erwerbsunfähigkeitsrentner begonnen. Der 56-Jährige soll seiner damaligen Lebensgefährtin ein Medikament („Tavor“) mit hypnotischer Wirkung in den Kaffee gemischt und sie dann siebenmal vergewaltigt haben. Der Bautzener äußerte sich zu Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen. Seine Verteidigerin erklärte, dass sie und ihr Mandant erst vor wenigen Tagen Einblick in die Ermittlungsunterlagen erhalten hätten. Eine Entscheidung, ob er Angaben mache, stellte sie für den nächsten Verhandlungstermin in Aussicht.
Laut Anklage hatte der Bautzener am ersten Weihnachtsfeiertag seine Freundin zum Kaffee in seine Wohnung eingeladen. In einem unbeobachteten Moment soll er ihr Tabletten in die Tasse gegeben haben. Dabei handelte es sich um „Tavor“, ein Beruhigungsmittel, das nach Operationen, bei Schlafstörungen oder akuten Angstzuständen verschrieben wird. Die Frau hätte ins Koma fallen und sogar ersticken können, so Staatsanwältin Madeleine Witt. Der Angeklagte habe ihr Erinnerungsvermögen ausschalten wollen. Den Ermittlungen zufolge kannte er die Wirkung, da das Medikament ihm selbst verschrieben worden war.
Für den zweiten Weihnachtsfeiertag war die Frau zum Frühstück bei ihrer Familie in Dresden eingeladen. Als sie nach zwei Stunden noch immer nicht da war, schickte der Schwiegersohn eine SMS und rief bei ihr an. Der Lebensgefährte schrieb zurück, dass sie etwas später aufgestanden seien, noch schnell duschen und dann nach Dresden kommen wollten. Am Mittag trafen sie ein. Die Schwiegermutter habe kaum laufen können und nach Urin gerochen. Die Hose hatte sie verkehrt rum getragen. Sie sei verwirrt und orientierunglos gewesen, sagte der Schwiegersohn aus. Das bestätigte auch ihr 24-jähriger Sohn. Sie sei wankend die Treppe hinaufgekommen. „Wir konnten mit ihr kein normales Gespräch führen.“ Verwandte riefen daraufhin den Notarzt. Sie vermuteten einen Schlaganfall. Der Lebensgefährte hatte behauptet, dass sie am Vortag gestürzt war. Dann sei er gleich wieder von Dresden nach Bautzen zurückgefahren.
Der Bautzener äußerte sich zu Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen. Seine Verteidigerin erklärte, dass sie und ihr Mandant erst vor wenigen Tagen Einblick in die Ermittlungsunterlagen erhalten hätten. Eine Entscheidung, ob er sich äußert, stelle sie für den nächsten Verhandlungstermin in Aussicht.
Zur Stunde werden weitere Zeugen vernommen. Fünf Verhandlungstermine sind vorgesehen. Das Gericht hat fünf Gutachter bestellt. Sollten die Vorwürfe zutreffen, drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahren Gefängnis.