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Warn-App „NINA“ informierte zu spät über Evakuierung in Heidenau

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Bei der Bombenentschärfung in Heidenau hat es offenbar eine Panne bei der Alarmierung der Bevölkerung gegeben. Die Warn-App "NINA", die auch vom Freistaat genutzt wird, löste erst um 22:21 Uhr, und damit über zwei Stunden zu spät, aus. Zu dem Zeitpunkt sollten die Bewohner den Sperrbereich längst verlassen haben - Radio, aber auch die Onlineportale in der Region informierten da schon seit mehreren Stunden. Erst im Oktober hatte der Freistaat das neue Warnsystem mit viel "TamTam" vorgestellt und dafür geworben. Wie es in Heidenau zu der Panne genau kam, ist noch unklar, wir haben das Innenministerium dazu um Stellungnahme gebeten (Reaktion siehe unten).Hintergrund zum WarnsystemDie Rettungsleitstellen in Sachsen werden seit dem Amoklauf von München nach und nach an das Warnsystem "MoWas" und die Warn-App "NINA" angeschlossen. Damit können in Katastrophenfällen, bei Terroranschlägen, Hochwasser oder anderen gefährlichen Situationen auch auf Handys Warnmeldungen übertragen werden. Bislang können die Meldungen nur über das Lagezentrum des Innenministeriums und die Rettungsleitstelle in Hoyerswerda übertragen werden.Update 14:40 Uhr: Kein technischer FehlerWie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn auf unsere Anfrage mitteilte, wurde die Meldung von der Leitstelle in Hoyerswerda um 22.21 Uhr versendet. Die Meldung sei noch in derselben Minute über NINA an die Benutzer gegangen. "Aus unserer (der technischen) Sicht hat das System einwandfrei funktioniert", teilte Sprecherin Marianne Suntrup mit.Die Sprecherin betonte, dass das BBK lediglich die technische Infrastruktur für das Versenden solcher Warnungen zur Verfügung stellt. "Die Auslösung der Warnungen und auch die Entscheidung darüber, ob und wann und mit welcher Dringlichkeit gewarnt wird, liegt bei den Katastrophenschutzbehörden der Länder."Update 16:10 Uhr: Verantwortung lag laut Ministerium bei StadtNach mehreren Nachfragen im Sächsischen Innenministerium, erfolgte am Mittwochnachmittag eine Reaktion. Ein Ministeriumssprecher teilte mit: "Im Fall des Bombenfundes in Heidenau lag die Einsatzleitung und damit die Entscheidung zur Verbreitung einer entsprechenden Warninformation bei der Stadt Heidenau." Bürgermeister Jürgen Opitz war aufgrund von terminlichen Verpflichtungen zunächst nicht erreichbar, im Tagesverlauf sollten aber weitere Informationen folgen.Allgemein erläuterte das Innenministerium das Vorgehen folgendermaßen:Für Warnungen bei MoWaS und damit NINA sind im Rahmen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr die unteren Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzbehörden (BRK-Behörden) für die Verbreitung von Warnungen und Gefahreninformationen zuständig. Ausgelöst werden Warnmeldungen grundsätzlich durch die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Ostsachsen in Hoyerswerda. Im Zuge der Erweiterung des Systems erhalten bis Ende 2017 auch die weiteren vier IRLS in Sachsen über eine webbasierte Oberfläche Zugang zu MoWaS.Für Warnungen bei polizeilichen Lagen sind die Polizeibehörden zuständig. Ausgelöst wird die Warnung grundsätzlich im Lagezentrum des Innenministeriums.Und weiter erläutert das Ministerium:Im Bereich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr entscheiden die unteren BRK-Behörden über die Notwendigkeit einer Gefahreninformation. Die unteren BRK-Behörden entscheiden auch über die Auswahl der Warnmittel (z. B. Sirenen, Lautsprecherdurchsagen, Warn-Apps, Rundfunk). Warn-Apps wie bspw. NINA ergänzen im Bedarfsfall die herkömmlichen Warnmittel. Vergleichbares gilt bei Vorliegen einer polizeilichen Lage, beispielsweise im Fall eines Terroranschlages. Hier entscheidet die jeweils zuständige Polizeidirektion über den Versand einer Warnmeldung.Sobald weitere Informationen von der Stadt Heidenau vorliegen, wird der Artikel aktualisiert.