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Zwangsabstieg abgewendet: HC Leipzig bleibt in der Bundesliga

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Die Antwort auf diese Frage war einfach. "Die Erleich­te­rung ist riesen­groß", sagte HC Leipzigs Manager Kay-Sven Hähner. Denn der sechs­ma­lige deutsche Frauen-Handball­meister HC Leipzig hat den Zwangs­ab­stieg in die 3. Liga vorerst abgewendet. Bei der Verhand­lung vor dem unabhän­gigen Schieds­ge­richt in Frank­furt/Main wurde am Freitag dem Einspruch des mit 1,3 Millionen Euro verschul­deten HCL gegen die Verwei­ge­rung der Bundes­liga-Lizenz durch den Ligaver­band HBF statt­ge­geben.  Das Schieds­ge­richt unter dem Vorsitz der früheren deutschen Radver­bands-Präsi­dentin Sylvia Schenk sowie den Beisit­zern Markus Sikora und Alexander Wild entschied, dass die Handball Bundes­liga Frauen (HBF) dem sieben­ma­ligen Pokal­sieger die Erstliga-Lizenz unter einer bis kommenden Freitag zu erfül­lenden Bedin­gung erteilen muss. Zudem wurden drei rechts­wid­rige Bescheide der HBF aufge­hoben.  HC Leipzig muss Eigen­ka­pital deutlich erhöhenDemnach muss Leipzig bis einschlie­ß­lich 14. Juli die unwider­ruf­liche Einzah­lung einer Eigen­ka­pi­tal­er­hö­hung in Höhe von 600.000 Euro nachweisen. Erfolgt der Nachweis gegen­über dem Schieds­ge­richt nicht frist­ge­recht, gilt die Lizenz als nicht erteilt. "Die Erfül­lung der Auflage ist unstrittig. Sie war auch vorher schon unstrittig. Wir erfüllen sie", sagte Hähner der Deutschen Presse-Agentur.Zudem erhielt der Verein die Auflage, und nicht wie von der HBF zunächst mitge­teilt die Bedin­gung, die Auszah­lung aller noch ausste­henden Löhne bis einschlie­ß­lich diesen Juni nachzu­weisen. Und diese Auflage muss der Verein laut HCL-Rechts­an­walt Helge-Olaf Käding aus Minden nicht zwingend erfüllen, um die Lizenz zu erhalten. "Auflage bedeutet, dass, wenn sie nicht erfüllt wird, der Verein im Laufe der Saison mit Geldstrafen bis hin zu Punkt­ab­zügen sanktio­niert wird. Aber niemals ist die Lizenz dadurch bedroht", sagte er. Der HCL habe das Verfahren auf ganzer Linie gewonnen. Das sehe man nicht zuletzt anhand der Kosten­ver­tei­lung des Verfah­rens mit 80 Prozent für die HBF und 20 Prozent für Leipzig. Leipzig war zunächst die Bundes­liga-Lizenz verwehrt worden. Eine Beschwerde dagegen hatte die HBF abgelehnt, Leipzig zog vor das Schieds­ge­richt. Jetzt hat Hähner eine Woche Zeit, um die Lizenz endgültig fix zu machen. "Die Bedin­gung für das Aufgehen des Sanie­rungs­kon­zepts ist geschaffen und jetzt setzen wir das Ganze um", sagte er. Das Rettungs­kon­zept sieht 600.000 Euro durch neue Sponsoren, 100.000 Euro durch Gläubi­ger­ver­zichte, 200.000 Euro durch die Stadt Leipzig und 100.000 Euro vom eigens einge­rich­teten Spenden­konto vor.  "Ich hoffe, dass alle Betei­ligten aus ihren Fehlern lernen und dass die nächste Saison als Übergang genutzt werden und die Liga gehalten werden kann", sagte die deutsche Rekord-Natio­nal­spie­lerin Grit Jurack, die mit Leipzig zwei Meister­titel und Pokal­siege holte. Harte Konkur­renz in Leipzig für den HCLSich einst gern als den FC Bayern des Frauen-Handballs sehend, verlor der HCL durch die Konkur­renz von Fußball-Bundes­li­gist RB und des SC DHfK in der Männer-Handball-Bundes­liga Fans. Die Zuschau­er­zahlen beim mehrmals zu Sachsens Mannschaft des Jahres gewählten HCL sanken stetig, auch weil eigene sport­liche Erfolge ausblieben. Sponsoren reduzierten ihr Engage­ment, gingen ganz oder zahlten nicht mehr.  Und der einstige Erfolgs­ma­cher Hähner muss sich den Vorwurf der Misswirt­schaft gefallen lassen. Er habe seinen Anteil an der Situa­tion, gab er zu. Aber auch die Kontroll­gre­mien hätten angesichts der schon seit mehreren Jahren negativ ausge­fal­lenen Bilanzen schon früher einschreiten müssen. "Man ist sicher­lich nicht fesge­kettet an dem Stuhl. Aber jetzt ging es erstmal darum, das Ganze zu sichern und das war auch meine Verant­wor­tung. Über alles weitere werden wir dann sprechen", sagte Hähner mit Blick auf seine eigene Zukunft.  Leistungs­trä­ge­rinnen haben den Verein bereits verlassenSport­lich würden nach dem Weggang aller Leistungs­trä­ge­rinnen mit dem Nachwuchs­team nun "kleinere Brötchen gebacken. Wir haben uns jetzt auf die Fahnen geschrieben, die jungen Spiele­rinnen zu entwi­ckeln", sagte Hähner. Am Montag setzt er sich mit Trainer Norman Rentsch zusammen und bespricht die Kader­pla­nung. (dpa)